Buchtipp: Wie Frauen länger leben - Prof. Dr. Med. Sandra Eifert über weibliche Longevity auf Pastellcover.

Buchtipp: Wie Frauen länger leben. Das Geheimnis weiblicher Longevity 5/5 (3)

Warum werden Frauen älter als Männer? Was passiert im Körper während der Wechseljahre? Und was können wir konkret tun, um möglichst lange gesund zu bleiben? Sandra Eifert, Herzchirurgin und Professorin, erklärt in ihrem Buch die Geheimnisse weiblicher Langlebigkeit. Fundiert, verständlich und überraschend praktisch.

 

Ein Buch, das Frauen ernst nimmt

Stellen Sie sich vor, Sie könnten verstehen, warum Ihr Körper sich verändert. Warum manche Frauen mit 80 noch Berge besteigen, während andere schon mit 60 gebrechlich werden. Sandra Eifert erklärt genau das in ihrem Buch „Wie Frauen länger leben”. Und sie tut es so, dass man es wirklich versteht.

Sandra Eifert ist Herzchirurgin. Sie sieht täglich, was passiert, wenn Frauen ihre Gesundheit vernachlässigen. Oder wenn Symptome zu spät erkannt werden, weil sie bei Frauen anders aussehen als bei Männern. Ihr Buch ist keine trockene medizinische Abhandlung, sondern eine Art Gebrauchsanweisung fürs Älterwerden. Mit allem, was dazugehört: Biologie, Hormone, Ernährung und auch ein bisschen Philosophie.

Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Frau in Deutschland liegt bei 83,3 Jahren. Das sind etwa fünf Jahre mehr als bei Männern. Aber warum? Und noch wichtiger: Wie schaffen wir es, diese Jahre gesund zu erleben?

8 wichtige Erkenntnisse aus dem Buch

1. Warum Frauen von Natur aus robuster sind​

Frauen haben einen biologischen Vorteil, der in den Genen steckt. Wir haben zwei X-Chromosomen, Männer nur eins (plus ein Y-Chromosom). Das klingt erstmal technisch, aber das Wichtige ist: Auf dem X-Chromosom liegen etwa 1500 Gene, die für Herz, Gehirn und Immunsystem zuständig sind. Das Y-Chromosom hat weniger als 100 Gene, und die meisten davon kümmern sich um die Sexualfunktion.

Der Clou: Wenn auf einem unserer X-Chromosomen ein Fehler ist, springt das andere ein. Männer haben dieses Backup nicht. Deshalb sind Frauen im Schnitt widerstandsfähiger gegen bestimmte Krankheiten. Die Autorin schreibt: „Frauen besitzen zwei X-Chromosomen (XX), während Männer ein X- und ein Y-Chromosom (XY) haben. Das X-Chromosom verfügt über etwa 1500 Gene für Herz-, Hirn- und Immunfunktion.”

2. Was Ihre Zellen über Ihr Alter verraten

Haben Sie schon mal von Telomeren gehört? Das sind so etwas wie Schutzkappen an den Enden unserer Chromosomen. Jedes Mal, wenn sich eine Zelle teilt, werden diese Kappen ein bisschen kürzer. Irgendwann sind sie so kurz, dass die Zelle sich nicht mehr teilen kann. Das ist Altern auf Zellebene.

Die gute Nachricht: Frauen haben längere Telomere als Männer. Die noch bessere Nachricht: Wir können beeinflussen, wie schnell sie kürzer werden. Sandra Eifert erklärt: „Frauen haben dabei einen leisen Vorteil: Ihre Telomere sind länger. Diese Länge ist eng mit unserer Lebensspanne verknüpft. Wer längere Telomere hat, lebt länger.”

Chronischer Stress, Rauchen und schlechte Ernährung lassen unsere Telomere schneller schrumpfen. Bewegung, mediterrane Kost und Stressabbau schützen sie. Das bedeutet: Sie haben mehr Einfluss auf Ihr biologisches Alter, als Sie denken.

3. Was die ältesten Frauen der Welt anders machen

Es gibt Orte auf der Welt, wo die Menschen besonders alt werden und dabei auch noch fit bleiben. Diese „Blue Zones” liegen zum Beispiel auf Okinawa in Japan, auf Sardinien in Italien oder auf der Nicoya-Halbinsel in Costa Rica. Was machen die Menschen dort anders?

Sie essen hauptsächlich pflanzlich, viel Gemüse und Hülsenfrüchte. Sie bewegen sich im Alltag, nicht im Fitnessstudio. Sie haben enge soziale Bindungen. Und sie haben einen Lebenssinn. Auf Okinawa heißt das „Ikigai”, der Grund, morgens aufzustehen.

Ikigai entsteht dort, wo sich vier Fragen treffen: Was liebe ich? Worin bin ich gut? Was braucht die Welt? Und wofür werde ich bezahlt? Gerade für Frauen ab 50, deren Kinder aus dem Haus sind oder die gerade in Rente gehen, kann so ein Konzept helfen, neu zu definieren, wofür sie morgens aufstehen.

4. Die drei wichtigsten Wendepunkte im Leben einer Frau

Die Autorin teilt das Leben von Frauen in drei kritische Phasen ein, in denen sich besonders viel verändert:

Mit 45 fängt für viele die Perimenopause an. Die Hormone spielen verrückt, der Schutzeffekt der Östrogene lässt nach. Jetzt ist der Zeitpunkt, an dem Sie anfangen sollten, auf Ihr Herz zu achten. Herz-Kreislauf-Checks, Knochendichte messen lassen, den Lebensstil anpassen.

Mit 60 sind Sie meistens durch die Wechseljahre durch. Der Östrogenschutz ist komplett weg. Das Risiko für Herzerkrankungen und Osteoporose steigt deutlich. Jetzt zählt, dass Sie körperlich und geistig aktiv bleiben.

Mit 70 zeigt sich, wer die Jahrzehnte davor gut genutzt hat. Frauen, die bis dahin gesund geblieben sind, haben gute Chancen, auch weiterhin aktiv zu leben. Sandra Eifert erzählt von Iris Apfel, der Modeikone, die mit 102 Jahren starb und bis zum Schluss kreativ und aktiv war.

5. Warum Narben nicht versteckt werden müssen

Die Autorin widmet ein ganzes Kapitel japanischen Lebensphilosophien. „Kintsugi” ist die Kunst, zerbrochene Keramik mit Gold zu reparieren. Die Bruchstellen werden nicht versteckt, sondern hervorgehoben. Sie sind Teil der Geschichte des Objekts.

Übertragen auf unser Leben bedeutet das: Narben nach Operationen, Falten, graue Haare, das alles sind Zeichen eines gelebten Lebens. Sandra Eifert ermutigt Frauen, diese nicht zu verstecken, sondern als Stärke zu sehen.

„Wabi Sabi” geht in eine ähnliche Richtung. Es lehrt, die Schönheit im Unperfekten zu sehen. Die Autorin schreibt: „Wabi Sabi lehrt, die Schönheit in der Vergänglichkeit zu erkennen. Für Frauen, die mit sichtbaren äußerlichen Zeichen des Alterns wie Falten, grauen Haaren oder körperlichen Veränderungen konfrontiert sind, kann diese Philosophie eine befreiende Wirkung haben.”

6. Warum Deutschland beim Thema Langlebigkeit hinterherhinkt

Trotz guter Ärzte und Krankenhäuser schneiden deutsche Frauen im internationalen Vergleich nur mittelmäßig ab. In einer Studie von 2023 landete Deutschland auf Platz 14 von 16 untersuchten Ländern. In Spanien werden Frauen im Schnitt 86,2 Jahre alt, in Deutschland nur 83,3 Jahre. Das sind knapp drei Jahre Unterschied.

Woran liegt das? Sandra Eifert nennt mehrere Gründe: „Ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unausgewogene Ernährung, spätere Diagnosen lebensbedrohlicher Erkrankungen, der Faktor Stress und eine zögerliche Präventionspolitik zählen zu den zentralen Ursachen.”

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen in Deutschland, noch vor Krebs. Und sie werden bei Frauen oft zu spät erkannt, weil die Symptome anders aussehen als bei Männern.

7. Was Sie über Hormonersatztherapie wissen sollten

Die Hormonersatztherapie (HRT) ist ein kontroverses Thema. Die Autorin erklärt sachlich die Vor- und Nachteile. Wenn Sie früh in der Menopause damit anfangen (idealerweise in den ersten zwei Jahren), kann die HRT das Risiko für Herzinfarkt senken und Ihre Knochen schützen. Fangen Sie erst zehn Jahre nach der Menopause an, ist der Schutzeffekt weg.

Wichtig ist auch die Form: Pflaster oder Gel (transdermal) sind sicherer als Tabletten. Die orale Einnahme kann das Herz-Kreislauf-Risiko erhöhen. Sandra Eifert macht klar: „Es geht bei uns Frauen immer um das hormonelle Gleichgewicht der jeweiligen Lebensphase. Dabei treten individuell große Unterschiede auf, daher kann es keine Generalempfehlung geben.”

Am besten besprechen Sie das mit Ihrer Gynäkologin und schauen, was für Sie persönlich Sinn macht.

8. Was Sie konkret tun können (und zwar jetzt)

Sandra Eifert gibt im Buch ganz konkrete Tipps, die Sie sofort umsetzen können:

Gehen Sie zu den Vorsorgeuntersuchungen. Gerade ab 45. Herz-Kreislauf-Check, Mammografie, Knochendichte messen. Bei Frauen werden viele Erkrankungen zu spät erkannt, weil wir andere Symptome haben als Männer.

Bewegen Sie sich und bauen Sie Muskeln auf. Nicht irgendwann, sondern jetzt. Muskelmasse schützt Sie vor Gebrechlichkeit im Alter. Auch mit 60 oder 70 ist es nicht zu spät anzufangen.

Essen Sie mediterran. Viel Gemüse, Hülsenfrüchte, Fisch, Olivenöl. Das ist die Ernährungsform, für die es die besten wissenschaftlichen Belege gibt, wenn es um Langlebigkeit geht.

Kümmern Sie sich um Stress und Schlaf. Chronischer Stress verkürzt Ihre Telomere und lässt Sie schneller altern. Achtsamkeit, Meditation, genug Schlaf. Das sind keine Luxusthemen.

Bleiben Sie sozial vernetzt. In allen Blue Zones haben die Hundertjährigen eins gemeinsam: starke soziale Bindungen. Einsamkeit ist ein echtes Gesundheitsrisiko.

Warum wir dieses Buch empfehlen?

Es gibt viele Bücher über gesundes Altern. Aber die meisten sind entweder zu oberflächlich oder so kompliziert geschrieben, dass man nach drei Seiten aufgibt. Dieses Buch ist anders.

Die Autorin erklärt komplizierte medizinische Zusammenhänge so, dass Sie sie wirklich verstehen. Ohne zu vereinfachen. Sie nimmt Sie ernst und traut Ihnen zu, auch mal einen schwierigeren Absatz zu lesen. Gleichzeitig verbindet sie die harte Wissenschaft mit weicheren Themen wie japanischer Philosophie oder dem Konzept von Ikigai.

Das Buch ist keine schnelle Lösung nach dem Motto „10 Tricks für ein längeres Leben”. Es ist ein ehrliches, fundiertes Werk, das Ihnen die Werkzeuge gibt, um selbst Entscheidungen über Ihre Gesundheit zu treffen.

Es richtet sich an Frauen jeden Alters. Aber besonders wertvoll ist es für Frauen ab 40, die vor oder in den Wechseljahren stehen. Die verstehen wollen, was gerade in ihrem Körper passiert. Und die gegensteuern wollen.

Auch jüngere Frauen sollten es lesen. Denn Prävention fängt nicht erst mit 50 an. Wer schon früh auf seine Telomere, sein Herz und seinen Lebensstil achtet, legt das Fundament für ein langes, gesundes Leben.

Und für alle, die mit dem Älterwerden hadern: Dieses Buch zeigt, dass es nicht nur um Verlust geht. Altern kann auch Gewinn bedeuten. An Weisheit, Gelassenheit, der Fähigkeit, das Leben aus einer anderen Perspektive zu sehen.

 

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Über die Autorin

Prof. Dr. med. Sandra Eifert ist Herzchirurgin und eine der führenden Expertinnen für Frauengesundheit in Deutschland. In ihrer täglichen Praxis sieht sie, was passiert, wenn Frauen ihre Gesundheit vernachlässigen. Oder wenn Symptome zu spät erkannt werden.

„Der alte Patient in der Herzchirurgie ist heute meist weiblich”, schreibt sie. Diese Beobachtung war der Ausgangspunkt für ihr Buch. Gemeinsam mit Silke Panten hat sie das Beste aus verschiedenen Kulturen zusammengestellt und zeigt Wege auf, wie Frauen ihre Lebenserwartung positiv beeinflussen können.

Eine Frau in weißem Laborkittel und Stethoskop steht, weibliche Langlebigkeit verkörpernd, vor einem schlichten Hintergrund.
Prof. Dr. med. Sandra Eifer © Michael Bader
Buchcover Buchtipp: Wie Frauen länger leben - Prof. Dr. med. Sandra Eifert. Sandra Eifert, mit Text über weibliche Longevity im Kreis.

Wie Frauen länger leben – Das Geheimnis weiblicher Longevity

  • Verlag: C.Bertelsmann Verlag
  • Erscheinungstermin: 14. Januar 2026
  • 352 Seiten
  • ISBN: 978-3570105887
  • Autorin: Prof. Dr. med. Sandra Eifert

Claudia Mattheis

Frau mit schulterlangem gelocktem braunem Haar, die einen dunklen Blazer und eine silberne Halskette trägt und in die Kamera lächelt.

Claudia Mattheis (Jahrgang 1966) bringt mit 30 Jahren Führungserfahrung als Geschäftsführerin einer Werbeagentur und Chefredakteurin von Print- und Online-Medien strategische Expertise und ein starkes Netzwerk mit. Diese Kombination bildet das Fundament für ihre Mission: LIVVING.de zur führenden deutschsprachigen Plattform für Wohnen & Leben 50plus zu entwickeln. Ihre Leidenschaft für zielgruppengerechte Kommunikation verbindet sie mit einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse der Generation 50plus. Als versierte Netzwerkerin schafft sie Verbindungen zwischen Partnern, die gemeinsam die Lebenswelt einer wachsenden demografischen Gruppe neu denken wollen. Mit ihrem Mann Siegbert Mattheis lebt sie in Berlin-Prenzlauer Berg.

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