Hausnotrufsystem 2.0? VELI nutzt vorhandene Strom- und Wasserzähler, um Stürze und Inaktivität zu erkennen. Unauffällig im Hintergrund, ohne roten Knopf. Eine Technologie aus der Automobilindustrie macht sicheres Wohnen im Alter möglich.
Alle wollen möglichst lange zu Hause wohnen bleiben. Keiner will ins Pflegeheim. Und die allergrößte Sorge von älteren Menschen und ihren Angehörigen ist: Man stürzt und wird nicht gefunden. Der rote Notfallknopf? Liegt in der Schublade. Genau das ist das Problem, das VELI löst, mit einer Technologie, die niemand aktiv bedienen muss und die trotzdem Leben retten kann.
Im Gespräch mit LIVVING Chefredakteurin Claudia Mattheis erklärt Jan-Peter Seevers, wie das funktioniert. Jan-Peter Seevers ist Co-Founder und CEO von VELI und kommt aus der KI- und Energiedatenforschung. Zusammen mit seinen Mitgründern Tim Weiß und Maximilian Schnettler hat er eine Technologie aus der Automobilindustrie für die Pflege zu Hause nutzbar gemacht. Das System arbeitet passiv im Hintergrund, erkennt aus Verbrauchsmustern, ob jemand aktiv ist oder Hilfe braucht, und entlastet damit nicht nur die Betroffenen, sondern auch ihre Angehörigen.
Die wichtigsten 5 Erkenntnisse aus dem Gespräch
- VELI funktioniert ohne aktive Bedienung – das System analysiert Strom- und Wasserverbrauch und erkennt automatisch Notfälle oder Verhaltensänderungen
- Klassische Notfallknöpfe werden nach 6 Monaten oft nicht mehr getragen – sie wirken stigmatisierend und werden in Schubladen vergessen
- Das System erkennt schleichende Veränderungen – etwa wenn nachts häufiger der Herd genutzt wird oder die Aktivität generell abnimmt
- Installation dauert maximal 90 Minuten – bei modernen Smart Meters funktioniert das Auslesen sogar per Funk
- Kosten: 25 bis 30 Euro monatlich – plus einmalige Anschlussgebühren von 100 bis 300 Euro pro Wohnung

Wie kam es zur Gründung von VELI – und warum versagen klassische Hausnotrufsysteme?
Die Gründungsgeschichte von VELI beginnt dramatisch. Als die Großmutter von Mitgründer Tim Weiß zu Hause stürzte und zu spät gefunden wurde, arbeiteten die drei Gründer noch in der Automobilindustrie. Der bittere Kontrast: Sie entwickelten Sicherheitssysteme, die Abweichungen bei Maschinen erkannten, während die Oma viel zu lange hilflos zu Hause lag. Dabei hatte sie sogar einen Notrufknopf – der aber in der Schublade lag.
„Das war so ein Moment, der ziemlich einschlagend war”, erinnert sich Jan-Peter Seevers. Tim begann 2018 mit der Entwicklung, Jan-Peter stieg 2020 ein, Max 2021. So wuchs Schritt für Schritt ein Team, das sein Wissen aus der Automobilindustrie für die Betreuung zu Hause nutzbar machen wollte.
Wie funktioniert die Sturzerkennung über Stromverbrauch?
Die Technologie nennt sich Non-Intrusive Load Monitoring, auf Deutsch „Eingriffsfreie Lastüberwachung“. Das Prinzip ist einfach: VELI nutzt die vorhandenen Strom- und Wasserzähler. Die künstliche Intelligenz analysiert die Verbrauchsmuster und erkennt daraus einzelne Haushaltsgeräte mit ihren unterschiedlichen Mustern. Das System kann erstaunlich präzise einzelne Aktivitäten im täglichen Leben unterscheiden.
Die Installation ist unkompliziert. Bei modernen Smart Meters funktioniert das Auslesen per Funk. Bei älteren Zählern wird ein kleiner Auslesekopf über die Schnittstelle aufgesteckt, der die Daten per Mobilfunk ins Backend sendet. Die Montage dauert normalerweise eine halbe bis eineinhalb Stunden pro Wohnung.
Warum wird VELI besser akzeptiert als der klassische Hausnotruf?
Der fundamentale Unterschied liegt in der Akzeptanz. Viele Menschen mögen Sensoren nicht und wollen keinen Knopf tragen. Nach sechs Monaten wird der rote Notrufknopf im Schnitt gar nicht mehr getragen – er wirkt stigmatisierend, wie ein Eingeständnis von Alter und Gebrechlichkeit.
VELI arbeitet völlig anders: Das System läuft passiv im Hintergrund. Es muss nichts gedrückt werden, man muss nicht daran denken. Es wird einmal installiert und macht dann seine Arbeit, ohne dass es auffällt oder stört. Das VELI-Logo trägt nicht umsonst ein V, das wie ein Haken stilisiert ist. Die meiste Zeit zeigt das System einfach: Alles ist in Ordnung.
Genau das entlastet auch Angehörige psychisch. Wenn man im Urlaub ist oder sich Sorgen macht und die Oma nicht direkt erreicht, aber sieht, dass alles läuft wie sonst auch, wirkt das System wie ein Entlastungsinstrument.


Wie erkennt VELI Verhaltensänderungen und gesundheitliche Probleme frühzeitig?
VELI kann mehr als nur Stürze erkennen. Das System erfasst Verhaltensänderungen, die auf schleichende Veränderungen hindeuten. Ein Beispiel: Wenn nachts öfter Herdplattenaktivitäten registriert werden. Der Herd wird zwar wieder ausgemacht, also kein Grund für einen Notfalleinsatz. Aber wenn solche Muster sich häufen oder die Aktivität schleichend abnimmt, ist das ein wichtiges Zeichen – besonders in Einrichtungen, wo nicht tagtäglich Kontakt besteht.
Die Realität in Wohnanlagen ist vielschichtig: In einer Anlage mit 50 Wohnungen sind 40 bis 45 Bewohner topfit und leben gut, auch wenn sie über 80 sind. Der Prozentsatz der Pflegebedürftigen liegt oft unter 20 Prozent. Gerade für die Grenzfälle – Menschen, die vergesslicher werden oder wackelig auf den Beinen sind, es aber nicht äußern – bietet VELI verbesserte Sicherheit.
Die Vision geht noch weiter: VELI soll modular erweiterbar sein und künftig auch Daten von Rauchmeldern, Luftqualitätssensoren oder Temperaturdaten integrieren. Das Grundprinzip bleibt: Menschen sollen möglichst lange zu Hause wohnen bleiben können.
Was kostet VELI und wie kann ich es für meine Wohnung bekommen?
Interessierte können sich auf der VELI-Website informieren. Die Verfügbarkeit und Installation wird individuell geprüft. Im Betreuten Wohnen gibt es durch die Mietverhältnisse und die Heizkostenverordnung bereits standardisierte Preise. Die Anschlussgebühren liegen bei 100 bis 300 Euro pro Wohnung einmalig, inklusive Anfahrtskosten und Infoveranstaltungen.
Die monatliche Servicegebühr umfasst das Gesamtpaket: Stromdatenerfassung, Wasserdatenerfassung, Anwesenheitserkennung über Schlüsselanhänger, technische Wartung, Support, die VELI-Web-App und Energieberichte. Für dieses komplette Paket liegt man bei 25 bis 30 Euro im Monat.
Die Vision für die Zukunft ist ambitioniert: VELI soll für alle Haushalte als Abomodell auf Knopfdruck verfügbar werden – wie Netflix. Man kann dann verschiedene Services freischalten, aktivieren und wieder deaktivieren, unkompliziert und flexibel.
Warum Sie dieses Podcast-Interview hören sollten
Jan-Peter Seevers zeigt, wie eine Technologie aus der Automobilindustrie Leben retten kann, ohne dass ältere Menschen auch nur einen Finger rühren müssen. Er erklärt, warum das System psychisch entlastet, sowohl die Betroffenen als auch ihre Angehörigen. Besonders spannend: die Vision, präventiv Gesundheitsveränderungen zu erkennen und VELI künftig als flexibles Abomodell für jeden Haushalt anzubieten. Ein Gespräch, das zeigt, dass die besten Lösungen oft die sind, die man nicht sieht, weil sie einfach funktionieren.
Weitere Informationen finden Sie hier:

Jetzt LIVVING Podcast anhören!
Zum Beispiel mit einem kostenlosen Account bei Spotify:
Kein Account? Kein Problem!
• Sie können alle Podcast-Folgen auch direkt hier auf unserer Webseite anhören
• Klicken Sie dazu einfach rechts im Kasten auf “Inhalt entsperren” und dann auf den Abspielpfeil
• Sie finden uns auch auf allen anderen bekannten Podcast-Plattformen.
• Und natürlich gibt es den LIVVING Podcast auf YouTube
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Spotify. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Weitere Informationen 'Lieber lesen, als Podcast hören? Interview zum Nachlesen!
Claudia Mattheis

Claudia Mattheis (Jahrgang 1966) bringt mit 30 Jahren Führungserfahrung als Geschäftsführerin einer Werbeagentur und Chefredakteurin von Print- und Online-Medien strategische Expertise und ein starkes Netzwerk mit. Diese Kombination bildet das Fundament für ihre Mission: LIVVING.de zur führenden deutschsprachigen Plattform für Wohnen & Leben 50plus zu entwickeln. Ihre Leidenschaft für zielgruppengerechte Kommunikation verbindet sie mit einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse der Generation 50plus. Als versierte Netzwerkerin schafft sie Verbindungen zwischen Partnern, die gemeinsam die Lebenswelt einer wachsenden demografischen Gruppe neu denken wollen. Mit ihrem Mann Siegbert Mattheis lebt sie in Berlin-Prenzlauer Berg.
Warum sterben so viele ältere Menschen nach einem Sturz? Was kann man dagegen tun?
Sturzgefahr ab 50: Drei überraschende Fehler, die fast jeder macht und wie Sie sie vermeiden
Wenn Sekunden über Leben entscheiden: Wie ein smartes Türschloss Leben rettet
M-Guard Notrufarmband mit Sturzsensor: Sofortige Hilfe, ob zuhause oder unterwegs
Hausnotruf: Anschluss als haushaltsnahe Dienstleistung absetzbar







