Vor wenigen Monaten haben wir hier auf LIVVING Anna Schingen und Malte Schröder im Podcast vorgestellt. Damals war Jardin Hermsdorf ein Projekt im Werden. Ein Konzept, das überzeugt, ein Standort, der passt, eine Idee, die viele aufhorchen ließ. Ich war am 30. Oktober 2025 beim ersten Treffen dabei, als Interessenten und spätere Käuferinnen und Käufer erstmals zusammenkamen. Für mich ist Jardin Hermsdorf eines der richtungsweisenden Wohnprojekte in Deutschland, und genau deshalb begleite ich es hier auf LIVVING von Beginn an.
Ende März 2026 wurde der Kaufvertrag für das Grundstück in der Schloßstraße 18 in Berlin-Hermsdorf beurkundet. 17 Parteien haben sich der Baugemeinschaft offiziell angeschlossen. Der Weg für 44 barrierefreie Eigentumswohnungen zwischen 50 und 115 Quadratmetern ist frei. Ich wollte wissen, was sich seitdem verändert hat, was die Menschen antreibt, die dabei sind, und wie eine solche Baugemeinschaft ab 50 in der Praxis entsteht. Also haben wir uns noch einmal zusammengesetzt.
Der Moment, in dem aus einer Gruppe eine Gemeinschaft wird
Baugemeinschaften klingen manchmal einfacher, als sie sind. Zwischen der Idee und dem Notartermin liegt ein langer Weg.
Es gibt einen Moment in jeder Baugemeinschaft, den man nicht herbeiführen kann. Malte Schröder beschreibt ihn so:
„Wenn die Leute sich gegenseitig beflügeln und sagen: Das ist so ein tolles Projekt, wir müssen es unterstützen, und zur Not gehen wir jetzt auch ins Risiko. Dann ist aus einer Gruppe eine Gemeinschaft geworden.”
Dieser Moment ist schwer zu planen. Aber er macht den Kern einer Baugemeinschaft aus. Nicht die Grundrisse, nicht die Quadratmeterpreise. Sondern der Punkt, an dem Menschen aufhören, Käufer zu sein, und anfangen, eine Gemeinschaft zu werden.

Wann ist Baustart? Was bei Jardin Hermsdorf jetzt konkret passiert
Das Projekt ist in Bewegung. Bauantrag, Planung, Generalunternehmer. All das läuft parallel und hat seinen Rhythmus.
Malte Schröder und sein Team haben sich vorgenommen, den Bauantrag im Juli einzureichen. Dafür müssen die Entwurfsgespräche bis dahin weit genug fortgeschritten sein. Gleichzeitig laufen Verhandlungen mit fünf Generalunternehmern, darunter erfahrene Berliner Unternehmen. Die ersten Angebote stimmen mit der Projektkalkulation überein. Das ist bemerkenswert in einem Markt, der in den vergangenen Jahren viele Projekte durch Kostenexplosionen aus der Bahn geworfen hat.
Zur rechtlichen Absicherung der Mitglieder hat Schröder eine klare Haltung:
„Es gibt niemanden, der pleitegehen kann, weil die Gesellschaft sich selbst trägt. Das ist ein selbsterfüllendes Vehikel, das wir geschaffen haben.”
Die GmbH & Co. KG schützt die einzelnen Kommanditisten strukturell. Ein Aspekt, den viele Interessentinnen und Interessenten zunächst unterschätzen.
Der Baustart ist für das dritte Quartal 2026 geplant, die Fertigstellung für Ende 2028.

Wer kauft in einer Baugemeinschaft ab 50?
Fünf Monate nach Vertriebsstart ist das Projekt zu gut 50 Prozent belegt. Für Malte Schröder ist das keine Selbstverständlichkeit:
„Das ist in dieser kurzen Vermarktungszeit eine Sensation.”
Was mich dabei besonders interessiert: Wie findet ein Projekt wie dieses seine Menschen? Die Antwort ist erstaunlich analog. Der stärkste Vertriebskanal ist der Wochenmarkt in Hermsdorf. Persönliche Begegnung, Gespräch, Vertrauen. Aus einem einzelnen Freitagstermin entstanden zuletzt sechs neue Kontakte.
Das passt zu einer Zielgruppe, die das Team gut kennt. Die Käuferinnen und Käufer sind zwischen Mitte 50 und Ende 60. Die älteste Person, die sich entschieden hat, ist 85 Jahre alt.
Und sie alle räumen mit einem Klischee auf. Malte Schröder:
„Die Deutschen verlassen ihr Eigentum ja nicht. Aber die Menschen, die ich gerade in Hermsdorf erlebe, sind flexibler als ihr Ruf.”

Selbstwirksamkeit statt Service: Was die Zielgruppe wirklich antreibt
Anna Schingen hat vor dem Projekt eine sorgfältige Zielgruppenanalyse gemacht. Fiktive Personas, entwickelt auf Basis von Standortdaten und Erfahrungswissen.
„Und dann standen diese Personas wirklich da.”
Die Menschen, die jetzt kommen, entsprechen verblüffend genau dem, was das Team erwartet hatte. Was treibt sie an? Anna Schingen berichtet von einem Gespräch mit einer 67-Jährigen:
„Sie wollte unbedingt wieder Selbstwirksamkeit erfahren. Man scheidet aus dem Beruf aus, und damit verliert man plötzlich eine Aufgabe, die den ganzen Alltag strukturiert hatte.”
Das ist ein Satz, der vieles erklärt. Selbstwirksamkeit, das Gefühl, etwas gestalten und bewirken zu können, ist kein Luxusthema. Es ist ein Grundbedürfnis. Und es ist eines, das mit dem Ende des Berufslebens oft still verschwindet.
Anna Schingen beschreibt dabei einen klaren Generationenunterschied. Die Zielgruppe ab 60 möchte sich einbringen, mitgestalten, Teil von etwas sein. Jüngere sehen das häufig anders:
„Das unterscheidet diese Generation von Jüngeren, die sagen: Ich will mich nicht involvieren. Ich will eine Dienstleistung einkaufen.”
Das ist kein Werturteil. Aber es erklärt, warum Jardin Hermsdorf für genau diese Menschen funktioniert.

Wie entsteht Gemeinschaft in einer Baugemeinschaft? Lange vor dem Einzug
Was mich an diesem Projekt immer wieder fasziniert: Die eigentliche Arbeit beginnt nicht beim Einzug. Sie beginnt jetzt, lange vor dem Bau.
Anna Schingen plant ab Frühsommer eine Reihe von Workshops. Wie wollen wir zusammenleben? Welche Regeln brauchen wir? Wie funktioniert das Community Management, wie die App? Dabei hat die Reihenfolge Methode:
„Wir starten mit den Themen, die Auswirkungen auf die Planung haben. Denn diese Entscheidungen müssen auch in Architektur und Innenraumgestaltung einfließen.”
Parallel dazu tritt jede Kommanditistin und jeder Kommanditist mit dem Architektenteam in einen persönlichen Dialog. Was soll anders sein? Was ist wichtig? Wie sollen die vier Wände individuell werden?
Malte Schröder beschreibt den Planungsstand ehrlich:
„Wir haben eine Visualisierung gemacht, die viel Interpretationsspielraum lässt, aber noch kaum konkrete Planung zeigt.”
Das klingt überraschend, ist aber konsequent. Zuerst die Gemeinschaft, dann die Grundrisse.
Ist Jardin Hermsdorf ein Modell für andere Städte?
Noch 27 Wohneinheiten sind verfügbar. Die Preise starten bei 5.900 Euro pro Quadratmeter, das Gesamtinvestitionsvolumen liegt bei rund 22 Millionen Euro.
Und es gibt bereits Pläne über Hermsdorf hinaus. Das Team schaut nach Hamburg, ist im weiteren Berliner Raum aktiv. Eine Idee begeistert Malte Schröder besonders:
„Wir schauen uns gerade ein wunderschönes altes Schulgelände im Berliner Westen an. So ein Hogwarts der Baugemeinschaften, das kann ich mir wirklich gut vorstellen.”
Das klingt nach mehr als einem Bauprojekt. Das klingt nach einem Modell, das Schule machen will.
Alle Informationen zu Jardin Hermsdorf finden Sie unter jardin-hermsdorf.de. Das erste Podcast-Interview mit Anna Schingen und Malte Schröder können Sie hier auf LIVVING nachhören und nachlesen.
Claudia Mattheis

Claudia Mattheis (Jahrgang 1966) bringt mit 30 Jahren Führungserfahrung als Geschäftsführerin einer Werbeagentur und Chefredakteurin von Print- und Online-Medien strategische Expertise und ein starkes Netzwerk mit. Diese Kombination bildet das Fundament für ihre Mission: LIVVING.de zur führenden deutschsprachigen Plattform für Wohnen & Leben 50plus zu entwickeln. Ihre Leidenschaft für zielgruppengerechte Kommunikation verbindet sie mit einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse der Generation 50plus. Als versierte Netzwerkerin schafft sie Verbindungen zwischen Partnern, die gemeinsam die Lebenswelt einer wachsenden demografischen Gruppe neu denken wollen. Mit ihrem Mann Siegbert Mattheis lebt sie in Berlin-Prenzlauer Berg.











