Im September 1981 präsentierte das DRK das erste Hausnotrufgerät auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin.
Automatische Sturzmelder hingegen gibt es noch nicht lange. Als ich 2017 einen der ersten für meine (inzwischen verstorbene) Mutter besorgte, einen SOS-Notruf mit Falldetektor, musste ich das Gerät noch aufschrauben, um die SIM-Karte einzulegen. Er wurde an einem Band um den Hals getragen und funktionierte leider noch nicht zuverlässig.
Notrufuhr, Notrufarmband, Sturzerkennung …?
Inzwischen gibt es jedoch eine große Anzahl von Sturzmeldern, Notrufuhren, Notrufarmbändern, Notrufknöpfen, Notfalluhren … die unterschiedlichen Bezeichnungen sind manchmal etwas verwirrend. Aber man kann sie grob in zwei Kategorien einteilen:
Das klassische Notrufarmband, das aktiv betätigt wird, und der automatische Sturzmelder, der im Notfall selbst reagiert.
Wir erklären Ihnen die Unterschiede, Vor- und Nachteile und welche Lösung zu Ihrer Situation passt.
Was ist der Unterschied zwischen einem Notrufarmband und einem Sturzmelder?
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:
Notrufarmband (aktiv / manuell)
Nutzer:in löst per Knopfdruck einen Alarm aus, entweder direkt bei einer Leitstelle oder bei Angehörigen, wie z. B. die Patronus Notfalluhr *
Vorteile:
- Günstig im Einstieg
- Einfache Bedienung
- Auch bei Unwohlsein oder Schmerz nutzbar
- Kein Fehlalarm durch Bewegungsmuster
Nachteile:
- Setzt Handlungsfähigkeit voraus
- Hilft nicht bei Bewusstlosigkeit
- Wird oft aus Scham nicht getragen oder betätigt
Sturzmelder (passiv / automatisch)
Sensoren erkennen Stürze automatisch per Bewegungsmuster und lösen selbstständig Alarm aus, wie z. B. das Gardia Notrufarmband * (ehemals caera Notrufarmband)
Vorteile:
- Wirkt ohne Zutun des Nutzers
- Schützt auch bei Bewusstlosigkeit
- Lernende KI reduziert Fehlalarme zunehmend
- Gibt Angehörigen rund um die Uhr Sicherheit
Nachteile:
- Fehlalarme durch schnelle Alltagsbewegungen möglich
- Höhere monatliche Kosten
- GPS/WLAN nötig für volle Funktionalität
Was empfiehlt sich für wen?
Ein Notrufarmband ist ausreichend, wenn …
- die Person noch fit und handlungsfähig ist,
- ein enges Netz an Angehörigen existiert und
- das Budget begrenzt ist.
Ein Sturzmelder empfiehlt sich, wenn …
- das Sturzrisiko erhöht ist (z. B. nach Schlaganfall),
- die Person allein lebt und nicht immer in der Lage ist, den Knopf zu drücken.
Sturzmelder plus Notruftaste bietet den besten Schutz in den meisten Lebenslagen.
Tipp für Angehörige: Beziehen Sie die betreffende Person unbedingt in die Entscheidung ein. Ein Gerät, das als aufgezwungen empfunden wird, wird im Ernstfall nicht getragen oder nicht aktiviert. Und das ist das größte Sicherheitsrisiko.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was ist der Unterschied zwischen einem Notrufarmband und einem Sturzmelder?
Ein Notrufarmband löst den Alarm aus, wenn Sie aktiv einen Knopf drücken.
Ein Sturzmelder erkennt dagegen automatisch anhand von Sensordaten (Beschleunigung, Lage), ob ein Sturz stattgefunden hat und alarmiert dann ohne Ihr Zutun.
Der entscheidende Unterschied: Bei Bewusstlosigkeit kann nur der Sturzmelder helfen.
Übernimmt die Krankenkasse oder Pflegekasse die Kosten?
Ja, teilweise. Mit einem anerkannten Pflegegrad können Sie über §40 SGB XI Zuschüsse für Pflegehilfsmittel beantragen bis zu 40 € pro Monat für technische Hilfsmittel. Einige Geräte sind direkt über die Kasse als Hilfsmittel erstattungsfähig (Hilfsmittelverzeichnis, Pos. 22). Sprechen Sie Ihre Pflegekasse an und lassen Sie sich beraten.
Wie zuverlässig erkennt ein Sturzmelder wirklich einen Sturz?
Moderne Sturzmelder mit KI-gestützter Bewegungsanalyse erreichen Erkennungsraten von über 90 %. Dennoch sind Fehlalarme möglich; etwa beim schnellen Hinsetzen , bei sportlicher Bewegung oder wenn man ihn mal aufs Bett wirft.
Besonders zuverlässig arbeiten Geräte, die nicht nur Beschleunigung, sondern auch Lage und Herzrate kombinieren. Testen Sie das Gerät vor dem Kauf auf Alltagstauglichkeit.
Kann man das Gerät auch außer Haus nutzen?
Das kommt auf das Modell an. Klassische Hausnotruf-Armbänder funktionieren nur im Umkreis der Basisstation (ca. 50–100 m).
Moderne Sturzmelder und Notrufuhren mit integrierter SIM-Karte und GPS sind hingegen nahezu weltweit einsetzbar.
Wird im Notfall automatisch der Notruf 112 gewählt?
Nicht immer. Viele Geräte sind an eine private Leitstelle angebunden, die rund um die Uhr erreichbar ist und dann selbst entscheidet, ob der Rettungsdienst gerufen wird. Andere Modelle alarmieren zuerst eine oder mehrere zuvor festgelegte Rufnummern (z. B. Angehörige). Nur wenige Geräte wählen direkt 112. Informieren Sie sich beim Kauf genau, was im Notfall passiert.
Wie oft muss der Akku geladen werden?
Notrufknöpfe ohne GPS haben oft eine Akkulaufzeit von mehreren Wochen bis Monaten. Sturzmelder mit GPS, Display und SIM-Karte müssen dagegen häufig alle ein bis drei Tage geladen werden. Das kann für manche Nutzer eine Hürde sein achten Sie daher auf ein einfaches Ladekonzept (z. B. Ladestation statt Kabel).
Was passiert, wenn der Alarm ausgelöst wird und alles in Ordnung ist?
Bei Geräten mit Leitstelle meldet sich der Mitarbeiter per Freisprecher und fragt nach. Ist alles gut, wird der Alarm abgebrochen. Kein Rettungswagen kommt unnötig.
Direktalarm-Geräte geben Angehörigen eine Benachrichtigung; diese können dann telefonisch nachfragen. Ein gut eingestelltes Gerät und eine kurze Probezeit helfen, Fehlalarme von Anfang an zu minimieren.
Können beide Geräte gleichzeitig genutzt werden?
Ja und das ist sogar die sicherste Lösung. Sturzmelder und Notruftaste ergänzen sich ideal: Der Sturzmelder greift ein, wenn die Person nicht handeln kann; die Taste kann man bei Unwohlsein nutzen oder wenn man Hilfe möchte, ohne gestürzt zu sein. Einige Modelle kombinieren beide Funktionen in einem einzigen tragbaren Gerät.
Welche bekannten Anbieter gibt es in Deutschland?
Zu den bekanntesten Anbietern zählen Johanniter, Malteser, DASK und ASB für den klassischen Hausnotruf. Im Bereich smarter Sturzmelder und GPS-Notrufarmbänder (teils mit Uhr) sind Hersteller wie Gardia, Nobi (eine Deckenleuchte mit Sturzerkennung), Apple Watch (mit Sturzerkennung), lifeo, tellimed, Patronus, LUADA und Panion M-Guard aktiv. Vergleichen Sie Laufzeit, Service-Qualität und Vertragslaufzeit sorgfältig.
Muss das Gerät immer getragen werden?
Ja. In der Praxis ist das jedoch die größte Herausforderung. Studien, u.a. vom RKI zeigen, dass viele Menschen das Gerät nicht beim Duschen oder Schlafen tragen; ausgerechnet dann, wenn die meisten Stürze passieren. Wählen Sie daher ein Gerät, das wasserdicht und so komfortabel ist, dass es rund um die Uhr getragen wird.














