Haben Sie auch Menschen in Ihrem Umfeld, die belastend sind und ständig nerven? Jede:r Dritte jedenfalls hat mindestens einen dieser „toxischen“ Menschen im näheren Umfeld. Eine ganz neue Studie zeigt, dass solche negativen Beziehungen unseren biologischen Alterungsprozess beschleunigen.
Negative Beziehungen beschleunigen die biologische Alterung
Negative soziale Beziehungen („toxische Menschen“) stehen laut einer aktuellen PNAS-Studie in Zusammenhang mit schnellerer biologischer Alterung, erhöhter Entzündung und schlechterer Gesundheit. Jede belastende Person im Umfeld kann das Altern um etwa 1,5 % beschleunigen und das biologische Alter um rund 9 Monate erhöhen.
Wir haben uns von Menschen getrennt, die uns nicht guttun
Als ob wir das geahnt hätten, haben wir in den letzten Jahren die Verbindung zu Menschen, die wir vielleicht früher zu unseren Freund:innen gezählt hatten, aufgegeben.
Menschen, die im Gespräch nur auf Stichworte warten, um über alles und jeden herzuziehen. Die alles negativ sehen und uns von ihrer engstirnigen Sicht auf die Welt zu überzeugen suchten. Die uns nicht in unseren Plänen unterstützen wollten, sondern alles abwerteten. Und damit auch uns abwerteten.
Dabei gelten doch soziale Beziehungen als eine der wichtigsten Einfluss-Faktoren für Gesundheit und Lebensqualität.
Doch die neue Studie der University Indiana Bloomington (USA) unter der Leitung der Soziologie-Professorin Brea L. Perry bestätigt unser Verhalten: Nicht nur Einsamkeit, sondern auch die falschen Menschen im Umfeld können messbare körperliche Schäden verursachen.
Die Forscher:innen sprechen dabei von sogenannten „hasslers“ – Menschen, die regelmäßig Stress verursachen. Die Ergebnisse sind deutlich: Diese Beziehungen können die biologische Alterung beschleunigen, Entzündungen fördern und das Risiko für mehrere Krankheiten erhöhen.
Was genau wurde in der Studie untersucht?
Die Studie analysierte Daten von über 2.300 Erwachsenen und kombinierte:
- soziale Netzwerkanalysen
- Gesundheitsdaten
- biologische Alterungsmessungen (DNA-Methylierung)
Dabei wurde nicht das tatsächliche Alter betrachtet, sondern das sogenannte biologische Alter, also wie „alt“ der Körper wirklich ist. 
Was sind „hasslers“ oder negative soziale Beziehungen?
„Hasslers“ sind Personen im eigenen Umfeld, wie z.B. Familie, Freund:innen, Kolleg:innen, die:
- regelmäßig Stress verursachen
- Konflikte auslösen
- emotional belasten
- Energie rauben statt geben
Dabei geht es nicht um gelegentliche Konflikte, sondern um dauerhaft belastende Beziehungen.
Wie stark beeinflussen solche Menschen die Alterung?
Die Ergebnisse sind überraschend und sogar konkret:
- + 1,5 % schnelleres Altern pro belastender Person
- etwa 9 Monate höheres biologisches Alter im Schnitt
Das mag zunächst nach wenig klingen. Aber entscheidend sei der kumulative Effekt über Jahre hinweg, erklären die Wissenschaftler:innen.
Wie verbreitet sind solche „toxischen“ Beziehungen?
Die Studie hat auch herausgefunden, dass ca. 29 % der Menschen mindestens eine belastende Person im Umfeld und etwa 10 % sogar zwei oder mehr haben.
Das zeigt, dass dieses Problem kein Randphänomen, sondern Alltag ist.
Welche Auswirkungen hat das auf die Gesundheit?
Die Forscher:innen sprechen von einem breiten physiologischen Effekt durch sozialen Stress. Denn neben beschleunigter Alterung wurden auch Zusammenhänge gefunden mit:
- erhöhten Entzündungswerten
- mehr Angst und Depression
- schlechterer allgemeiner Gesundheit
- höherem BMI und körperlichen Risikofaktoren
Warum wirken sich negative Beziehungen so stark aus?
Der Mechanismus ist gut erklärbar:
- Dauerstress aktiviert das Stresssystem (Cortisol etc.)
- chronische Belastung führt zu Entzündungen
- langfristig entstehen Zellschäden und beschleunigte Alterung
Denn der Körper unterscheidet nicht zwischen „echter Gefahr“ und sozialem Stress.
Welche Beziehungen sind besonders problematisch?
Familienmitglieder wirken am stärksten negativ, denn Familienbeziehungen sind kaum zu vermeiden und emotional tief verankert. Partnerschaften hingegen zeigen überraschend weniger Effekt
Eine gute, harmonische Ehe lässt uns sogar länger leben, das bestätigte das RAND Center for the Study of Aging.
Soll man sich von nervenden, toxischen Menschen trennen?
Wir meinen ja! Jedenfalls haben wir unsere Trennung von solchen Menschen nicht bereut. Obwohl es machmal auch schmerzlich war, denn wir hatten ja auch schöne Erinnerungen, gerade bei langjährigen Freundschaften.
Aber da wir doch lieber gesund älter werden wollen, sind wir nun etwas egoistischer.
Ähnlich empfiehlt es der Psychotherapeut Jörg Berger in seinem Buch Die Anti-Erschöpfungsstrategie: 7 Wege zu innerer Kraft. *
So wie es auch der deutsche Philosoph Max Stirner in seinem Buch Der Einzige und sein Eigentum * über die drei Phasen des Lebens beschrieben hatte:
- Idealismus in der Jugend
- Realismus als Erwachsener und (nun eben ein gesunder)
- Egoismus im Alter.
Haben Sie den Mut, sich von toxischen Menschen zu trennen oder zu ihnen zumindest Abstand zu halten. Denn das ist keine Frage von Unhöflichkeit, sondern von Selbstfürsorge. Das Leben ist zu kurz, um es mit Menschen zu verbringen, die einem nicht guttun.
Siegbert Mattheis











