Seh- und Hörschwäche gehören zu insgesamt 14 beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz. Die gemeinnützige Alzheimer Forschung Initiative (AFI) zeigt, warum diese das Demenzrisiko erhöhen können und wie man frühzeitig gegensteuern kann.
Können Hörgerät und Brille wirklich Demenz vorbeugen?
Ja, Hörgeräte und Brillen können einen wichtigen Beitrag zur Demenzprävention leisten. Laut der gemeinnützigen Alzheimer Forschung Initiative gehört unbehandelte Schwerhörigkeit zu den größten Risikofaktoren für Demenz im mittleren Alter.
Auch unbehandelte Sehbehinderungen, insbesondere im hohen Alter, können das Demenzrisiko erhöhen. Dr. Anne Pfitzer-Bilsing, Leiterin der Abteilung Wissenschaft der AFI, betont: “Wer gut hört und sieht, kann aktiv am Leben teilnehmen, Gespräche besser folgen und hält sein Gehirn leistungsfähig”.
Warum erhöht unbehandelte Schwerhörigkeit das Demenzrisiko?
Unbehandelte Schwerhörigkeit führt zu mehreren Problemen, die das Gehirn belasten:
- Reduzierte Reizverarbeitung: Das Gehirn erhält weniger akustische Informationen und Stimulation.
- Sozialer Rückzug: Betroffene ziehen sich zurück, weil sie Gesprächen schlechter folgen können, was die geistige Aktivität reduziert.
- Fehlende Hintergrundgeräusche: Alltägliche Geräusche, die das Gehirn normalerweise aktiv halten, werden nicht mehr wahrgenommen.
- Abnehmende geistige Leistungsfähigkeit: Die mangelnde Stimulation führt zu einem Abbau kognitiver Fähigkeiten und erhöht das Risiko für Alzheimer und andere Demenzerkrankungen.
Wie wirken sich Sehprobleme auf das Demenzrisiko aus?
Sehbehinderungen beeinträchtigen die Informationsverarbeitung im Gehirn ähnlich wie Hörprobleme. Menschen mit Sehschwäche fühlen sich in ungewohnter Umgebung unsicher, meiden soziale Kontakte und fordern ihr Gehirn dadurch weniger. Besonders im hohen Alter, wenn Augenerkrankungen wie Grauer Star oder Makuladegeneration hinzukommen, steigt das Demenzrisiko bei unbehandelten Sehproblemen.
Ab welchem Alter sollte ich mein Gehör und meine Sehkraft überprüfen lassen?
- Hörvermögen: Das Hörvermögen verschlechtert sich meist altersbedingt ab Mitte 50. Regelmäßige Kontrollen in einer HNO-Praxis oder bei einem Hörgeräteakustiker sind ab diesem Alter empfehlenswert.
- Sehkraft: Bereits ab Mitte 40 fällt das Sehen in der Nähe schwerer (Alterssichtigkeit). Regelmäßige augenärztliche Untersuchungen helfen, die Brille anzupassen und Augenerkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Wie oft sollte ich Hör- und Sehtests durchführen lassen?
Regelmäßige Kontrollen sind entscheidend für die Früherkennung. Lassen Sie Ihr Gehör und Ihre Augen mindestens einmal jährlich untersuchen, besonders ab dem mittleren Alter. Bei bestehenden Problemen oder Vorerkrankungen können häufigere Untersuchungen notwendig sein.
Warum tun sich viele Menschen mit Hörgeräten schwer?
Während das Tragen einer Brille gesellschaftlich völlig akzeptiert ist, wird Schwerhörigkeit oft nicht ernst genug genommen. Viele Menschen empfinden Hörgeräte als stigmatisierend oder unterschätzen die Bedeutung guten Hörens für die Gehirngesundheit. Diese Zurückhaltung kann jedoch schwerwiegende Folgen für die kognitive Gesundheit haben.
Was passiert, wenn ich zu lange mit der Anschaffung eines Hörgeräts warte?
Dr. Pfitzer-Bilsing warnt: “Wenn man zu lange mit einer Schwerhörigkeit lebt, gewöhnt sich das Ohr daran.”
Bei einer späten Korrektur mit einem Hörgerät erscheinen Stimmen und Geräusche dann unangenehm laut. Viele Betroffene legen das Hörgerät daraufhin in die Schublade, was natürlich nicht hilfreich ist. Eine frühzeitige Versorgung erleichtert die Gewöhnung erheblich.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für Hörgeräte?
Ja. Wenn eine Hörhilfe ärztlich verordnet wird, übernimmt die Krankenkasse die Kosten bis zu einem bestimmten Höchstbetrag. Bei krankheitsbedingter Schwerhörigkeit sollte zunächst die Ursache behandelt werden.
Was kann ich tun, wenn ich schlechter sehe?
Bei Sehproblemen empfiehlt sich:
- Fachärztliche Abklärung: Lassen Sie die Ursachen von einem Augenarzt untersuchen.
- Sehhilfen nutzen: Eine angepasste Brille kann die Sehkraft verbessern.
- Augenerkrankungen behandeln: Erkrankungen wie Grauer Star oder Makuladegeneration sollten frühzeitig behandelt werden.
- Regelmäßige Kontrollen: Lassen Sie Ihre Augen regelmäßig untersuchen und Ihre Brille entsprechend anpassen.
Wie kann ich aktiv Demenz vorbeugen?
Neben der Behandlung von Hör- und Sehproblemen können Sie durch folgende Maßnahmen Ihr Demenzrisiko senken:
- Soziale Kontakte pflegen: Bleiben Sie aktiv im Austausch mit anderen Menschen.
- Gehirn fordern: Geistige Aktivitäten und neue Herausforderungen halten das Gehirn fit.
- Körperlich aktiv bleiben: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns.
- Gesunder Lebensstil: Ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Stressbewältigung tragen zur Gehirngesundheit bei.
Welche weiteren Risikofaktoren für Demenz gibt es?
Seh- und Hörschwäche gehören zu insgesamt 14 beeinflussbaren Risikofaktoren für Demenz. Weitere Informationen finden Sie in der kostenlosen Broschüre „Alzheimer vorbeugen – Gesund leben, gesund altern” der Alzheimer Forschung Initiative.
Zusammenfassung: Warum sind Hörgerät und Brille wichtig für die Demenzprävention?
Gutes Hören und Sehen ermöglichen aktive Teilhabe am Leben, fördern soziale Kontakte und halten das Gehirn durch konstante Stimulation leistungsfähig. Die frühzeitige Behandlung von Hör- und Sehschwächen ist eine der wirksamsten und einfachsten Maßnahmen zur Demenzprävention. Nehmen Sie Veränderungen ernst und lassen Sie sich rechtzeitig untersuchen und versorgen.
Wer ist die Alzheimer Forschung Initiative e.V.?
Die Alzheimer Forschung Initiative e.V. (AFI) ist ein gemeinnütziger Verein, der das Spendenzertifikat des Deutschen Spendenrats e.V. trägt.
Seit 1995 fördert die AFI mit Spendengeldern Forschungsprojekte engagierter Demenzforscherinnen und -forscher. Seit 2025 stellt die AFI auch Fördergelder für Pflegeforschung bereit. Mit kostenlosen Broschüren und auf der Website www.alzheimer-forschung.de informiert die AFI über die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzen. In 30 Jahren konnte der Verein mehr als 470 Forschungsaktivitäten mit über 20,7 Millionen Euro unterstützen und rund eine Million Ratgeber und Broschüren verteilen. Botschafterin der AFI ist die Journalistin und Sportmoderatorin Okka Gundel.
Weitere Informationen zur Arbeit des Vereins und zu Spendenmöglichkeiten finden Sie ebenfalls auf www.alzheimer-forschung.de.








