Die eigene Wohnung im Alter aufgeben zu müssen, gehört zu den größten Sorgen vieler Menschen. Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Zuhause so anzupassen, dass ein selbstbestimmtes Leben trotz altersbedingter Einschränkungen möglich bleibt. Sonja Fröse und Margit Krüger zeigen in ihrem Ratgeber „Zu Hause statt Pflegeheim”, wie das konkret funktioniert und welche finanziellen Unterstützungen zur Verfügung stehen.
Das Buch ist weit mehr als eine theoretische Abhandlung. Es ist ein praxisnaher Begleiter, der von der Pflegefachfrau Sonja Fröse und der Gesundheits-Coachin Margit Krüger auf Basis ihrer langjährigen Erfahrung geschrieben wurde. Besonders wertvoll sind die zahlreichen Checklisten, konkreten Produktempfehlungen und die ehrliche Auseinandersetzung mit den Grenzen häuslicher Versorgung.
Die 7 wichtigsten Erkenntnisse aus „Zu Hause statt Pflegeheim“
1. Fördermittel machen Umbaumaßnahmen bezahlbar
Viele Menschen scheuen altersgerechte Umbauten aus Kostengründen, dabei gibt es erhebliche finanzielle Unterstützung. Bei Vorliegen eines Pflegegrades können Pflegekassen Zuschüsse für Wohnraumanpassungen gewähren. Auch die KfW-Bank bietet Investitionszuschüsse, die unabhängig vom Einkommen beantragt werden können.
Wie die Autorinnen erklären: „Die Pflegekassen können subsidiär finanzielle Zuschüsse für Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes des Pflegebedürftigen gewähren, beispielsweise für technische Hilfen im Haushalt, wenn dadurch im Einzelfall die häusliche Pflege ermöglicht oder erheblich erleichtert oder eine möglichst selbstständige Lebensführung des Pflegebedürftigen wiederhergestellt wird.“
Wichtig ist jedoch: Der Antrag muss jeweils vor dem Maßnahmenbeginn gestellt werden. Auch Kommunen, Stiftungen und unter bestimmten Umständen Reha-Träger können weitere Finanzierungsquellen sein. Die konkreten Förderhöhen sollten Sie bei den jeweiligen Stellen erfragen, da sich diese regelmäßig ändern können.
2. Das Badezimmer ist der kritischste Raum im Alter
Das Badezimmer ist jener Raum, in dem altersbedingten Einschränkungen am deutlichsten spürbar werden. Rutschgefahr, zu hohe Badewanneneinstiege und fehlende Haltegriffe machen die tägliche Hygiene zur Herausforderung oder sogar zur Gefahr.
Die Autorinnen betonen: „Das Badezimmer ist die Räumlichkeit, in der die ersten Einschränkungen der Bewegungsfähigkeit und der Selbstständigkeit am meisten auffallen. Deshalb ist es von Vorteil, rechtzeitig über einen altersgerechten Umbau nachzudenken.“
Konkrete Empfehlungen umfassen rutschhemmende Fliesen oder Matten, Armaturen mit Temperaturregelung zum Schutz vor Verbrühungen, angeschraubte Haltegriffe und höhenverstellbare Duschhocker. Ein besonders wichtiger Hinweis: Die Badezimmertür sollte nach außen öffnen, damit im Falle eines Sturzes schnelle Hilfe möglich ist.
3. Smart Home: Moderne Technologie für mehr Selbstständigkeit
Während Smart Home für jüngere Menschen vor allem Komfort bedeutet, kann diese Technologie für Senioren den entscheidenden Unterschied machen, ob ein Verbleib in der eigenen Wohnung möglich ist. Smartspeaker wie Alexa oder Google Home bieten praktische Alltagshilfen weit über bloße Spielereien hinaus.
Wie das Buch erklärt: „Mit Geräten wie Alexa oder Google Home, sogenannten ‚Smartspeakern’, können Sie einige Leistungen in Anspruch nehmen, um sich den Alltag etwas zu erleichtern. Es können Signale eingerichtet werden, die regelmäßig zu bestimmten Zeiten an die Medikamenteneinnahme, das Trinken oder an Termine erinnern.“
Weitere Funktionen umfassen Wetterabfragen zur Kleiderauswahl, Sprachsteuerung der Beleuchtung, Vorlesen von Artikeln und Hörbüchern sowie die Erstellung von Einkaufslisten per Sprachbefehl. Der Smartspeaker kann auch kostenfrei die Uhrzeit ansagen, was früher nur per kostenpflichtiger Telefon-Zeitansage möglich war.
4. Ehrlichkeit über Grenzen schützt alle Beteiligten
Ein besonders wichtiges Kapitel widmet sich den Grenzen häuslicher Versorgung. Die Autorinnen sprechen offen aus, was viele nicht hören wollen: Manchmal ist ein Verbleib zu Hause nicht möglich oder sogar gefährlich.
„Häufig wird innerhalb der Familie das Versprechen gegeben, dass ein Familienmitglied im Fall notwendiger Hilfe und Pflege nicht ins Heim müsse. Dieses Versprechen kann nicht unter allen Umständen eingehalten werden“, schreiben Fröse und Krüger deutlich.
Grenzen sind erreicht bei fehlenden Pflegepersonen, anhaltender Aggressivität, Eigen- oder Fremdgefährdung oder wenn die pflegende Bezugsperson den eigenen Beruf aufgeben müsste. Die Autorinnen ermutigen zu offenen Gesprächen über diese Grenzen, auch im Rahmen einer Patientenverfügung.
5. Beleuchtung und Sturzprävention sind unterschätzte Lebensretter
Viele Anpassungen erfordern keine großen Umbauten, haben aber erhebliche Auswirkungen auf die Sicherheit. Ausreichende Beleuchtung, Handläufe an langen Wandflächen und rutschfeste Bodenbeläge gehören zu den Maßnahmen mit dem besten Kosten-Nutzen-Verhältnis.
Besonders im Eingangsbereich und Flur, wo oft lange Wandflächen ohne Festhaltemöglichkeiten existieren, können einfache Handläufe installiert werden. Bewegungsmelder für die Beleuchtung sorgen dafür, dass der Weg zur Toilette auch nachts sicher ist.
6. Wohnraumanpassung lohnt sich in jedem Alter
Ein weitverbreiteter Irrtum ist, dass sich Umbaumaßnahmen nur für sehr alte Menschen lohnen. Die Autorinnen widersprechen dieser Annahme deutlich. Die meisten ambulant versorgten Pflegebedürftigen sind über 60 Jahre alt und werden noch viele Jahre in ihrem Zuhause leben.
„Sieht man sich die Altersverteilung der ambulant versorgten Pflegebedürftigen an, ist davon auszugehen, dass die meisten Betroffenen noch mehrere Jahre in ihrem Zuhause auf Hilfe angewiesen sein werden, sodass sich bauliche Veränderungen durchaus ‚lohnen’“, betonen die Autorinnen.
Zudem profitieren nicht nur die Bewohner selbst, sondern auch pflegende Angehörige und Mitarbeiter ambulanter Pflegedienste von verbesserten Wohn- und Arbeitsbedingungen.
7. Ein funktionierendes Netzwerk ist unverzichtbar
Zu Hause alt werden bedeutet nicht, alles alleine schaffen zu müssen. Im Gegenteil: Ein gut organisiertes Netzwerk aus Hilfspersonen und Dienstleistern ist die Voraussetzung für einen erfolgreichen Verbleib in den eigenen vier Wänden.
„Daher gehört zu einem Verbleib im eigenen Zuhause auch ein gut funktionierendes Netzwerk aus Hilfspersonen und Dienstleistern, die die einzelnen anfallenden Tätigkeiten übernehmen oder unter sich aufteilen“, schreiben die Autorinnen.
Dieses Netzwerk kann ambulante Pflegedienste, hauswirtschaftliche Dienste, Handwerker, Nachbarn und Familienangehörige umfassen. Die Organisation erfordert Zeit und Kraft, weshalb frühe Planung entscheidend ist.
Für wen ist „Zu Hause statt Pflegeheim“ geeignet?
Dieses Buch richtet sich an mehrere Zielgruppen: Senioren, die vorausschauend planen möchten, Angehörige, die ihre Eltern oder Partner bei der Wohnraumanpassung unterstützen, und jüngere Menschen, die bereits jetzt an die Zukunft denken. Besonders wertvoll ist der Ratgeber für alle, die konkrete Handlungsschritte suchen statt nur theoretischer Überlegungen.
Die Stärke des Buches liegt in seiner Praxisnähe. Detaillierte Checklisten für jeden Wohnbereich, Kontaktadressen von Hilfsmittelanbietern, konkrete Produktbeispiele und realistische Kosteneinschätzungen machen es zu einem echten Arbeitsbuch. Gleichzeitig bleibt es verständlich und übersichtlich strukturiert.
Wer sich mit dem Gedanken trägt, seine Wohnung altersgerecht umzugestalten, oder wer Angehörige dabei unterstützen möchte, findet hier einen verlässlichen Wegweiser. Das Buch ersetzt keine individuelle Beratung, bietet aber eine hervorragende Grundlage, um informiert in Gespräche mit Handwerkern, Beratern und Kostenträgern zu gehen.
Zu Hause statt Pflegeheim: Möglichkeiten, Maßnahmen, Fördermittel. Für ein langes Leben in den „eigenen vier Wänden“
- Verlag: SingLiesel GmbH
- Erscheinungstermin: 25. Mai 2020
- 200 Seiten
- ISBN: 978-3944360133
- Autorinnen: Sonja Fröse, Margit Krüger
Claudia Mattheis

Claudia Mattheis (Jahrgang 1966) bringt mit 30 Jahren Führungserfahrung als Geschäftsführerin einer Werbeagentur und Chefredakteurin von Print- und Online-Medien strategische Expertise und ein starkes Netzwerk mit. Diese Kombination bildet das Fundament für ihre Mission: LIVVING.de zur führenden deutschsprachigen Plattform für Wohnen & Leben 50plus zu entwickeln. Ihre Leidenschaft für zielgruppengerechte Kommunikation verbindet sie mit einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse der Generation 50plus. Als versierte Netzwerkerin schafft sie Verbindungen zwischen Partnern, die gemeinsam die Lebenswelt einer wachsenden demografischen Gruppe neu denken wollen. Mit ihrem Mann Siegbert Mattheis lebt sie in Berlin-Prenzlauer Berg.
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