Marmorstatue eines Mannes und einer Frau, die neben einer Weltkugel auf einem rechteckigen Sockel vor einem grauen Hintergrund stehen.

Altersdiskriminierung und Altersarmut: Ein weltweites Problem 5/5 (1)

Warum die Herausforderungen des Alterns ins Zentrum sozialer Politik gehören

Die Welt wird älter, und zwar schneller als viele denken. Bis 2050 wächst der Anteil der Menschen über 65 weltweit auf 17 Prozent. Das Positionspapier des HelpAge Global Network fordert: Soziale Gerechtigkeit kann es nur geben, wenn die Bedürfnisse, Rechte und Stimmen älterer Menschen endlich ernst genommen werden.

LIVVING beschäftigt sich genau mit diesen Themen und zeigt, was das für die gesellschaftliche Debatte bedeutet.


Die 5 wichtigsten Erkenntnisse:

  1. Altersarmut ist global und betrifft Millionen. Über 165 Millionen ältere Menschen erhalten keine Rente – Armut im Alter ist weit verbreitet.
  2. Frauen sind besonders benachteiligt. Diskriminierung über das ganze Leben führt im Alter zu erhöhtem Armutsrisiko, geringeren Renten und weniger Vermögen.
  3. Gesundheit und Pflege sind keine Selbstverständlichkeit. Viele ältere Menschen bleiben von notwendiger Versorgung ausgeschlossen – besonders dort, wo das soziale Netz schwach ist.
  4. Altersdiskriminierung zieht sich durch alle Lebensbereiche. Ob im Beruf, in Behörden oder bei der medizinischen Versorgung – Vorurteile und Ausgrenzung sind Alltag.
  5. Politische Teilhabe ist ausbaufähig. Die Perspektiven älterer Menschen spielen in politischen Entscheidungen oft nur eine Nebenrolle, obwohl sie die Gesellschaft maßgeblich mitgestalten.

Marmorstatue eines Mannes und einer Frau, die neben einer Weltkugel auf einem rechteckigen Sockel vor einem grauen Hintergrund stehen.
Altersdiskriminierung und Altersarmut: Ein weltweites Problem (Bild@ LIVVING mit KI generiert)

Demografischer Wandel: Zahlen und Konsequenzen

Schon heute leben über 10 Prozent der Weltbevölkerung im Alter von 65 oder älter. In gut 25 Jahren werden es laut UN fast doppelt so viele sein. Dieser Wandel ist mehr als ein statistischer Trend. Er betrifft Arbeitsmärkte, Pflege, Gesundheitsversorgung, Familienstrukturen und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Während ältere Menschen durch ihre Erfahrung, ehrenamtliches Engagement und als Fürsorgende viel beitragen, geraten sie sozial und wirtschaftlich oft ins Abseits.

Altersarmut: Systemisches Problem, keine Randerscheinung

Über 165 Millionen ältere Menschen weltweit erhalten keinerlei Rente. Das hat gravierende Folgen für ihre Lebensqualität und Würde. Besonders betroffen sind Frauen, Menschen mit Behinderung, Geflüchtete und Vertriebene. Frauen erleben vielfach ein Leben lang Diskriminierung, was sich im Alter durch geringere Renten, weniger Vermögen und ein erhöhtes Armutsrisiko besonders bemerkbar macht. Die Zahl älterer Frauen wächst rapide: von 605 Millionen im Jahr 2020 auf voraussichtlich 1,14 Milliarden bis 2050.

Armut im Alter ist keine persönliche Tragödie, sondern Ausdruck fehlender sozialer Sicherung. Der Ausbau von universellen, beitragsunabhängigen Renten und nationalen sozialen Mindestsicherungssystemen wird als Voraussetzung für soziale Entwicklung gesehen.

Tipp: Im Podcast_Interview mit Lydia Staltner sprechen wir über Altersarmit in Deutschalnd und wie die Initiative Lichtblick hilft

Gesundheit und Pflege: Zugang bleibt vielfach verwehrt

Viele ältere Menschen leben mit mehreren chronischen Erkrankungen. Trotzdem sind Gesundheitssysteme weltweit selten auf ihre Bedürfnisse eingestellt. Es mangelt an integrierten, wohnortnahen, menschenzentrierten Angeboten. Viele, vor allem in Ländern mit geringem Einkommen, bleiben ohne Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung oder Pflege.

Universal Health Coverage (UHC) wird gefordert. Der Zugang zu medizinischer und pflegerischer Versorgung muss für alle Altersgruppen garantiert werden, auch bei Behinderungen oder chronischen Krankheiten. Ohne ausreichende soziale Sicherung sind viele gezwungen, auch im hohen Alter weiterzuarbeiten. Oft, weil sie keine Alternative haben.

Altersdiskriminierung: Die unterschätzte Barriere

Altersdiskriminierung zieht sich durch viele Lebensbereiche, zum Beispiel beim Zugang zu Arbeit, Weiterbildung, digitaler Teilhabe oder in der Gesundheitsversorgung. Ältere Menschen gelten oft als „Last“ oder werden auf ihre Defizite reduziert. Besonders sichtbar wird das bei älteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, denen eine verminderte Leistungsfähigkeit unterstellt wird, und bei älteren Frauen, deren unbezahlte Care-Arbeit unsichtbar bleibt. Trotz internationaler Menschenrechtsabkommen fehlt vielerorts ein umfassender rechtlicher Schutz vor Altersdiskriminierung.

Das Positionspapier fordert: Klare Gesetze und völkerrechtliche Abkommen müssen Diskriminierung bekämpfen und Rechte stärken. Eine UN-Konvention für die Rechte älterer Menschen wird ausdrücklich empfohlen.

Soziale Teilhabe und Mitsprache: Viel Luft nach oben

Obwohl ältere Menschen häufig als Empfängerinnen und Empfänger sozialer Leistungen gesehen werden, tragen sie enorm viel zur Gesellschaft bei, in der Familie, ehrenamtlich, beruflich. Trotzdem bleiben sie in politischen Prozessen oft außen vor. Die Forderung: Ältere Menschen müssen bei gesellschaftlichen und politischen Entscheidungen aktiv beteiligt werden. Auch die Zivilgesellschaft soll dabei eine größere Rolle spielen.

Was jetzt politisch passieren muss

  • Demografischen Wandel nicht als Problem, sondern als Gestaltungsaufgabe begreifen. Politik muss vorbereitet sein, statt nur zu reagieren.
  • Soziale Sicherung stärken. Universelle, beitragsunabhängige Renten und Grundsicherungssysteme ausbauen, die niemanden ausschließen.
  • Gesundheits- und Pflegeversorgung garantieren. Zugang für alle, unabhängig von Alter, Einkommen oder Herkunft.
  • Altersdiskriminierung und Ausgrenzung bekämpfen. Durch rechtliche Rahmen, gezielte Programme und öffentliche Sensibilisierung.
  • Geschlechtergerechtigkeit über die Lebensspanne denken. Altersarmut von Frauen nicht weiter ignorieren.
  • Politische Teilhabe ermöglichen. Ältere Menschen aktiv in Entscheidungsprozesse einbeziehen.
  • Verbindliche Ziele setzen und kontrollieren. Politische Versprechen müssen überprüfbar und einklagbar sein.

Gesellschaft im Wandel: Verantwortung für heute und morgen

Die Herausforderungen des Alterns sind keine Spezialfragen. Sie betreffen die ganze Gesellschaft und zukünftige Generationen. Wer soziale Gerechtigkeit und Teilhabe will, muss Altersarmut und Diskriminierung jetzt anpacken. Nur so entsteht eine Gesellschaft, in der niemand am Rand steht.

Alter ist kein Makel, sondern Teil eines selbstverständlichen Lebenslaufs.

 

Quelle: HelpAge Global Network & Partner, Positionspapier zum WSSD2, August 2025.
Mehr Infos: https://www.helpage.de/news/weltsozialgipfel-2025

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