Sie möchten sorgenfrei in den Ruhestand starten? Mit einer gezielten Planung vermeiden Sie typische Stolpersteine und legen den Grundstein für einen entspannten Lebensabschnitt. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihr Rentenkonto klären, Ihre Finanzen im Blick behalten und den Übergang vom Berufsleben optimal gestalten.
1. Rentenkonto klären:
Basis für Ihre Altersvorsorge
Der erste und entscheidendste Schritt auf dem Weg in den Ruhestand ist die Klärung Ihres Rentenkontos. Die Deutsche Rentenversicherung (DRV) informiert Sie ab Ihrem 55. Lebensjahr regelmäßig mit der Renteninformation über Ihren voraussichtlichen Rentenbeginn und die zu erwartende Rentenhöhe.
Achten Sie dabei besonders auf den Versicherungsverlauf, der alle rentenrelevanten Zeiten auflistet. Überprüfen Sie diesen sorgfältig auf mögliche Lücken oder Fehlzeiten. Sollten Ihnen Ungereimtheiten auffallen, reichen Sie fehlende Nachweise, wie zum Beispiel alte Arbeitszeugnisse oder Bescheinigungen, umgehend ein. Je früher Sie dies erledigen, desto einfacher ist die Beschaffung der Unterlagen. Eine frühzeitige Kontenklärung und Beratung – idealerweise mindestens ein Jahr vor dem geplanten Rentenbeginn – ist hier Gold wert.
2. Rentenhöhe berechnen lassen:
Wie viel Geld steht Ihnen zu?
Nachdem Ihr Rentenkonto auf dem neuesten Stand ist, sollten Sie die genaue Höhe Ihrer zukünftigen Rente bei der DRV berechnen lassen. Diese Berechnung basiert auf den zuvor geklärten Rentenzeiten.
Nutzen Sie in diesem Zuge auch eine ausführliche Rentenberatung. Hier können Sie wichtige Fragen klären, die Ihre Rente beeinflussen: Welche Abschläge fallen bei einem vorzeitigen Rentenbeginn an? Gibt es Möglichkeiten für Ausgleichszahlungen, um diese Abschläge zu mindern? Welche steuerlichen Aspekte sind bei Ihrer Rente zu beachten? Und wie werden im Ausland erworbene Rentenzeiten berücksichtigt?
Wichtig: Beachten Sie, dass von Ihrer berechneten Bruttorente noch Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie gegebenenfalls Steuern abgezogen werden.
3. Finanzen sondieren:
Der Kassensturz vor dem Ruhestand
Parallel zu den Rentenfragen ist ein umfassender Finanzcheck unerlässlich. Erstellen Sie eine detaillierte Übersicht Ihrer Einnahmen und Ausgaben. Welche Kosten werden im Ruhestand wegfallen (z.B. Fahrtkosten zur Arbeit, bestimmte Versicherungen), und welche neuen Ausgaben könnten entstehen? Auf der Einnahmenseite könnten neben Ihrer gesetzlichen Rente auch Sparguthaben, private Lebensversicherungen, eine Riester-Rente oder eine betriebliche Altersvorsorge stehen.
Überlegen Sie auch, welche Ziele und Wünsche Sie für Ihren Ruhestand haben: Möchten Sie reisen, ein neues Hobby beginnen oder größere Anschaffungen tätigen? Planen Sie einen Nebenverdienst?
Auch Ihre Wohnsituation spielt eine Rolle: Sind die Mietkosten tragbar, oder gibt es Eigentum, das Ihnen finanzielle Spielräume eröffnet? Informieren Sie sich über mögliche Wohnformen, die zu Ihnen passen. Dieser finanzielle Überblick sollte spätestens ein Jahr im Voraus erfolgen, optimalerweise schon, wenn Sie Anfang 60 sind.
4. Arbeitgeber informieren:
Kommunikation ist der Schlüssel
Auch wenn es keine gesetzliche Pflicht gibt, Ihren Arbeitgeber über Ihre Rentenpläne zu informieren, ist ein offenes Gespräch ratsam. Dies gilt insbesondere, wenn Sie über den Rentenbeginn hinaus weiterarbeiten möchten oder Ihr Arbeitgeber selbst Interesse an einer Weiterbeschäftigung hat.
Prüfen Sie Ihren Arbeitsvertrag genau. Dort könnte festgelegt sein, ob Ihr Arbeitsverhältnis automatisch mit dem Rentenbeginn endet oder ob Sie selbst kündigen müssen. Ist eine Kündigung erforderlich, beachten Sie unbedingt die geltenden Kündigungsfristen.
Der beste Zeitpunkt für dieses Gespräch ist, nachdem Sie alle Details mit der Deutschen Rentenversicherung geklärt haben. Spätestens sollte es vor Ablauf Ihrer Kündigungsfrist stattfinden.
5. Rentenantrag stellen:
So beantragen Sie Ihre Rente
Denken Sie daran: Ihre Rente beginnt nicht automatisch!
Ein formeller Rentenantrag ist zwingend erforderlich. Glücklicherweise ist dieser Schritt nach der gründlichen Vorbereitung und Klärung aller Formalitäten meist unkompliziert.
Halten Sie für den Antrag wichtige Dokumente bereit, wie Ihre Rentenversicherungsnummer, Angaben zu Ihrer Krankenkasse, Ihren Personalausweis, die Steuer-ID und Ihre IBAN.
Die Deutsche Rentenversicherung empfiehlt, den Antrag drei bis vier Monate vor dem gewünschten Rentenbeginn zu stellen. So ist sichergestellt, dass Ihre Rente pünktlich im ersten Rentenmonat ausgezahlt wird. Zwar können Sie die Rente auch bis zu drei Monate rückwirkend beantragen, doch dann fließt das Geld eben erst später auf Ihr Konto.
6. Rentenbescheid erhalten:
Bestätigung Ihres Ruhestands
Ihre Rente ist erst dann offiziell gesichert, wenn der Rentenbescheid in Ihrem Briefkasten liegt. Dieses wichtige Dokument sollte etwa einen Monat vor Ihrem geplanten Ruhestand bei Ihnen eintreffen. Sollte der Bescheid wider Erwarten nicht rechtzeitig ankommen, haken Sie unbedingt bei Ihrem Versicherungsträger nach.
Sobald Sie den Rentenbescheid in den Händen halten, können Sie dem Arbeitsleben beruhigt den Rücken kehren und Ihren wohlverdienten Ruhestand in vollen Zügen genießen.
Oder Sie starten beruflich nochmals komplett neu durch oder suchen sich einen Nebenjob.
Tipps zum Arbeiten 60+ finden Sie hier.
Sie haben Lust auf eine ehrenamtliche Tätigkeit mit Sinn und Wirkung? Dann finden Sie hier passende Beispiele für ein Ehrenamt.
Zusammengefasst
Eine sorgfältige Vorbereitung ist der Schlüssel für einen sorgenfreien Ruhestand. Wer rechtzeitig sein Rentenkonto klärt, finanzielle Fragen prüft und die nötigen Schritte plant, legt den Grundstein für einen entspannten Übergang in den neuen Lebensabschnitt.
LIVVING-Tipp:
Nutzen Sie gezielt die Beratungsangebote der Deutschen Rentenversicherung.
Holen Sie bei Bedarf unabhängige Experten hinzu, um Ihre Ansprüche und Möglichkeiten umfassend zu prüfen. So stellen Sie sicher, dass Sie keine wichtigen Details übersehen und bestmöglich von Ihrer Vorsorge profitieren.
Wichtiger rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient der umfassenden Information und kann eine individuelle Rechts- oder Finanzberatung nicht ersetzen. Die komplexen Regelungen rund um den Ruhestand erfordern oft eine persönliche Begutachtung. Für Ihre spezifische Situation ist es dringend empfehlenswert, sich an einen Rentenberater, Steuerberater oder Fachanwalt für Sozialrecht zu wenden. Nur so können Ihre individuellen Ansprüche und Pflichten rechtssicher bewertet und Ihre Interessen optimal vertreten werden.
LIVVING Podcast mit Sebastian Brüning: Der Architekt, der Barrieren überwindet
Studie: Mehrheit der Deutschen offen für alternative Wohnformen
Buchtipp: Freunde machen gesund
Trendstudie Wohnen in der Gemeinschaft: 82 Prozent wollen im Alter in einer WG wohnen
Filmtipp SWR Roomtour: Neue Wohnformen für Alt & Jung von Tiny House bis Mehrgenerationen-Villa
Neue Wohnformen für Alt & Jung von Tiny House bis Mehrgenerationen-Villa