Eine ältere Frau in einem geblümten Kleid und mit Sonnenbrille strahlt vor Freude, während sie auf einer sonnigen Straße durch eine der vielen altersfreundlichen Städte schlendert.

Wie können Städte älteren Menschen in Krisen besser helfen? 5/5 (5)

Hitzewellen, Stromausfälle oder Überschwemmungen treffen ältere Menschen besonders hart. Was können Kommunen, Nachbarn und wir alle dagegen tun?

Die Weltgesundheitsorganisation fordert in einer Studie deshalb ein Umdenken: Städte sollen nicht erst im Notfall reagieren, sondern ihre Infrastruktur dauerhaft altersfreundlich gestalten. Dazu gehören sichere Wege, soziale Treffpunkte, digitale Unterstützung, wohnortnahe Gesundheitsangebote und die aktive Beteiligung älterer Menschen an Entscheidungen.

 

Welche Rolle spielt Hitze für ältere Menschen?

Die WHO sieht heute Hitzewellen als eine der größten Gesundheitsgefahren für ältere Menschen. Empfohlen werden unter anderem:

  • kühlende öffentliche Räume
  • mehr Bäume
  • Trinkwasserstellen
  • Hitzeaktionspläne
  • Nachbarschaftshilfen
  • gezielte Warnsysteme für gefährdete Menschen

Warum Hitze für ältere Menschen gefährlich werden kann

Warum reichen Krankenhäuser allein nicht aus?

Die WHO kommt zu dem klaren Ergebnis, dass Gesundheitskrisen nicht allein in Kliniken bewältigt werden. Ebenso wichtig sind:

  • Nachbarschaftsnetzwerke
  • ambulante Versorgung
  • Pflegedienste
  • Apotheken
  • freiwillige Helfer
  • Kommunen
  • Vereine

Je besser alle zusammenarbeiten, desto widerstandsfähiger wird eine Stadt.

Was bedeutet „gesund altern“ nach der WHO?

Gesundes Altern bedeutet nicht, bis ins hohe Alter vollkommen gesund zu bleiben. Die WHO versteht darunter vielmehr, möglichst lange die Fähigkeiten zu erhalten, die ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen.

Dazu gehören Mobilität, soziale Kontakte, geistige Fitness und die Möglichkeit, den Alltag selbst zu gestalten. Dabei spielen die Umgebung und das Wohnumfeld eine ebenso große Rolle wie die medizinische Versorgung.

Eine ältere Frau in einem geblümten Kleid und mit Sonnenbrille strahlt vor Freude, während sie auf einer sonnigen Straße durch eine der vielen altersfreundlichen Städte schlendert.
Altersfreundliche Städte steigern spürbar die Sicherheit und das Wohlbefinden von Senioren (Foto: AdobeStock @spyrakot)

Warum entscheidet die Nachbarschaft über Gesundheit?

Die WHO weist darauf hin, dass Gesundheit nicht allein im Krankenhaus entsteht. Denn entscheidend seien unter anderem:

  • sichere Gehwege
  • Sitzgelegenheiten
  • Grünflächen
  • Begegnungsorte
  • Einkaufsmöglichkeiten
  • gute Bus- und Bahnverbindungen
  • erreichbare Ärzte
  • soziale Netzwerke

Denn wer diese Angebote direkt im Wohnviertel vorfindet, bleibt häufig länger mobil und selbstständig.

Warum ist Einsamkeit ein Gesundheitsrisiko?

Neuere WHO-Erkenntnisse zeigen, dass soziale Isolation nicht nur die Lebensqualität verschlechtert. Sie erhöht auch das Risiko für Depressionen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und einen frühen Tod. Deshalb gilt soziale Verbundenheit heute als wichtiger Bestandteil gesunden Alterns.

Was kann ich als Nachbar tun?

  • An heißen Tagen gezielt bei alleinlebenden älteren Menschen klingeln oder anrufen.
  • Fragen, ob genug getrunken wurde und ob Medikamente vorhanden sind.
  • Gemeinsam einen kühlen Ort im Quartier aufsuchen.
  • Beim Lesen von Warnmeldungen, Briefen oder Online-Informationen helfen.
  • Angebote im Stadtteil weitergeben, nicht nur Notfälle.
  • Beobachten, ob Rollläden, Lüftung und leichte Beschattung möglich sind.
  • Kleine Begleitungen übernehmen, etwa zur Apotheke, zum Supermarkt oder zum Treffpunkt.
  • Soziale Kontakte nicht nur in Krisen pflegen.

Wie kann ich selbst meine Krisenvorsorge verbessern?

Auch wir selbst können einiges dafür tun, um bei Krisen besser gewappnet zu sein. Stellen Sie sich vielleicht die folgenden Fragen:

  • Kennen Sie Ihre Nachbarn?
  • Haben Sie wichtige Telefonnummern griffbereit?
  • Können Sie Videotelefonie nutzen?
  • Wissen Sie, wo sich kühlere öffentliche Räume befinden?
  • Haben Sie einen Medikamentenvorrat für einige Tage?
  • Sind Sie in einer lokalen Gruppe oder einem Verein aktiv?
  • Wissen Angehörige, wie sie Sie im Notfall erreichen?

Welche Rolle spielt KI künftig?

Viele Städte diskutieren inzwischen auch den Einsatz intelligenter Technologien. Wichtig ist dabei, dass Technik den Menschen unterstützt und persönliche Kontakte nicht ersetzt.

Dazu gehören beispielsweise:

  • automatische Hitzewarnungen
  • intelligente Notrufsysteme
  • Sturzerkennung
  • digitale Gesundheitsakten
  • barrierefreie Navigationssysteme
  • Sprachassistenten gegen Einsamkeit
  • Sensoren zur Unterstützung eines längeren selbstständigen Wohnens

Wie können altersfreundliche Städte in zehn Jahren aussehen?

Solche Maßnahmen verbessern nicht nur das Leben älterer Menschen, sondern kommen allen Generationen zugute. Viele Kommunen arbeiten daher bereits an Konzepten wie:

  • 15-Minuten-Stadt
  • intelligente Quartiere
  • generationenübergreifende Wohnformen
  • digitale Bürgerdienste
  • Gesundheitszentren im Wohnviertel
  • barrierefreie Mobilität
  • mehr Grünflächen
  • Begegnungsorte gegen Einsamkeit

Welche Städte gelten heute als Vorbilder?

Die WHO nennt in ihrer Studie zahlreiche Beispiele. Unter anderem:

  • Barcelona mit seiner Strategie gegen Einsamkeit.
  • Wien mit psychosozialen Hotlines und Krisenteams.
  • Newcastle mit einem Netzwerk aus Stadtverwaltung, Gesundheitswesen und Ehrenamt.
  • Belfast mit einer engen Zusammenarbeit zwischen Seniorenvertretungen und Kommune.
  • Rijeka mit einem seit Jahren aufgebauten digitalen Netzwerk für ältere Menschen.
  • Horsens mit Beteiligungsformaten und Bewegungsangeboten im öffentlichen Raum.

Was können Kommunen als Sofortmaßnahmen tun?

Die WHO empfiehlt zum Beispiel:

  • Zuständigkeiten für Hitze, Alter, Pflege, Kommunikation und Krisenkoordination in einer ressortübergreifenden Arbeitsgruppe bündeln.
  • Eine Liste erreichbarer Kühlorte mit Öffnungszeiten, Barrierefreiheit und ÖPNV-Anbindung veröffentlichen.
  • Parallel digitale und analoge Warnwege aufbauen.
  • Seniorenvertretungen, Pflegestützpunkte, Wohlfahrt, Quartiersmanagement und
  • Hausärzteschaft in einen festen Runden Tisch einbinden.
  • Quartiere mit hoher Hitzebelastung, hoher Altersdichte und sozialer Benachteiligung priorisieren.
  • Ein niedrigschwelliges Telefonangebot für gefährdete ältere Menschen testen.
  • Öffentliche Räume mit Sitzplätzen, Schatten und Trinkwasser kurzfristig nachrüsten.
  • Bibliotheken, Bürgerhäuser und Nachbarschaftszentren als Krisenorte definieren.
  • Eine kompakte Kartenlösung für Kühlorte, Trinkwasser und Hilfspunkte bereitstellen.
  • Nach jeder Hitzesaison oder Krise einen kurzen Lessons-Learned-Bericht veröffentlichen.

Was bedeutet das für Deutschland?

Viele deutsche Städte haben bereits Seniorenbeiräte, Hitzeaktionspläne oder Quartiersprojekte aufgebaut.

Die WHO macht jedoch deutlich, dass einzelne Maßnahmen nicht ausreichen. Entscheidend ist ein Gesamtkonzept, das Wohnen, Mobilität, Gesundheit, Digitalisierung, soziale Teilhabe und Krisenvorsorge miteinander verbindet.

Die komplette WHO-Studie “City leadership for age-friendly communities in the post-pandemic era” auf Englisch gibt es hier als Download.

Weitere Quellen u.a.

WHO Extrem Wetter

Stadt Wien

Stadt Barcelona

Utrecht

Siegbert Mattheis

Älterer Mann mit kurzem weißen Haar und Bart im Sonnenlicht.

Siegbert Mattheis (Jahrgang 1959) gründete nach seinen Studien Kommunikationsdesign, Philosophie, Wissenschaftstheorie und Kunstgeschichte eine bis heute erfolgreiche Kommunikationsagentur. Als Fachjournalist und Fotograf zählen gründliche Recherche und Detailtiefe zu seinen Leidenschaften. Sein Interesse gilt vorwiegend philosophischen und gesellschaftspolitischen Aspekten über das Älterwerden. Er lebt mit seiner Frau Claudia Mattheis in Berlin Prenzlauer Berg.

Zuletzt aktualisiert im Juli 2026

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