Warum uns im Alter die richtigen Bilder fehlen und was passiert, wenn wir sie endlich finden.
„Ach, das kann ich nicht mehr.” Dieser Satz klingt wie eine Tatsache. Doch dahinter steckt oft kein körperliches Unvermögen, sondern etwas viel Subtileres: das Fehlen von Menschen, an denen wir sehen könnten, dass es eben doch geht. Christoph Kamps, Politologe, Unternehmer und Besitzer vom Schloss Selchow, einem generationsübergreifenden Retreat im Berliner Umland, beschäftigt sich intensiv mit der Frage, warum uns gerade im Alter die richtigen Bilder fehlen. Und was passiert, wenn wir sie endlich finden.
Warum wir Christoph Kamps eingeladen haben
LIVVING Chefredakteurin Claudia Mattheis traf Christoph Kamps bei einem Vortrag. Eine Frage ließ sie nicht mehr los: Warum brauchen wir in jeder Lebensphase Menschen, an denen wir uns orientieren können? Und warum fehlen uns diese Menschen gerade dann, wenn wir sie am meisten brauchen?
Kamps, Jahrgang 1970, hat in 25 Jahren acht Unternehmen gegründet, war mit seiner Agentur KMB früh Trendsetter im Influencer-Marketing und engagiert sich heute am Institut für Generationenforschung. Er bringt eine seltene Kombination mit: unternehmerische Tiefe, wissenschaftliche Neugier und die ehrliche Bereitschaft, über die eigene Lebensphase zu sprechen. Mit Schloss Selchow hat er zudem einen Ort geschaffen, der selbst Antwort gibt auf die Frage, wie generationenübergreifendes Leben heute aussehen kann.
Die wichtigsten 5 Erkenntnisse aus dem Interview
Role Models sind nicht dasselbe wie Vorbilder. Das klassische Vorbild ist moralisch aufgeladen und kaum erreichbar. Ein Role Model bildet eine einzelne Rolle ab. Davon können viele gleichzeitig wirken. Und entscheidend: Wir suchen sie uns selbst aus.
Im Alter fehlen uns die richtigen Bilder. Unsere Gesellschaft ist auf Jugend ausgerichtet. Ältere Menschen sind in sozialen Medien und im öffentlichen Leben kaum sichtbar. Wenn vertraute Orientierungspunkte wegfallen, zum Beispiel durch Renteneintritt oder den Verlust von Partnern, stehen viele plötzlich ohne Landkarte da.
Selbstwirksamkeit nimmt im Alter ab, wenn Role Models fehlen. Wer keine Menschen sieht, die in ähnlicher Lage Dinge erreichen, verliert den Glauben daran, dass er es selbst noch kann.
Role Models öffnen einen Möglichkeitenraum. Nicht irgendwelche Vorbilder, sondern solche, die uns ähnlich sind: im Alter, in der Lebenssituation, in den Einschränkungen. Durch diese Identifikation wird abstrakte Möglichkeit zu realistischer Perspektive.
Die Generation 50 plus heute ist anders als alle vor ihr. Sie ist körperlich und mental fitter, im Wohlstand aufgewachsen, und bereit, das Rentenalter als aktiven Lebensabschnitt zu begreifen. Die Bilder dafür müssen jetzt erst noch entstehen.
Warum finden wir im Alter kaum Menschen, an denen wir uns wirklich orientieren können?
Das stille Defizit, das viele erst spüren, wenn es zu spät ist
Christoph Kamps nennt zwei Ursachen, die er für besonders zentral hält. Die erste liegt in der Struktur unserer Gesellschaft selbst. „Einerseits fehlt uns im Alter vor allem der Zugang zu Role Models, weil wir in unserer kapitalistischen, individualisierten Gesellschaft sehr stark auf Jugend und Konsum ausgerichtet sind.” Das öffentliche Leben, die sozialen Medien, die Werbebilder, sie alle reproduzieren ein einziges Bild: jung, dynamisch, makellos. Wer älter wird, findet sich darin kaum wieder.
Die zweite Ursache ist persönlicher. Mit dem Eintritt in neue Lebensphasen, dem Ende der Berufstätigkeit, dem Verlust von Partnern oder Freunden, fallen vertraute Orientierungspunkte weg. „Dann ist es für uns sehr schwierig, neue Vorbilder zu finden, weil sie in unserem medialen und sozialen Leben einfach nicht vorkommen.” Was bleibt, sind oft die Bilder der Elterngeneration. Und die passen häufig nicht mehr.
Das Ergebnis ist ein psychologischer Effekt, den Kamps präzise benennt: Der Glaube an die eigene Wirksamkeit nimmt ab. „Wir stellen fest, dass Selbstwirksamkeit im Alter abnimmt, weil wir für viele Dinge kein Bild mehr haben, wie wir etwas erreichen sollen.” Der Satz „Ach, das kann ich nicht mehr” ist dann keine Ausrede, sondern Symptom: eines Möglichkeitenraums, der sich nie geöffnet hat.

Was unterscheidet ein Role Model von einem klassischen Vorbild, und warum macht das einen Unterschied?
Nietzsche hätte es einen „Speer der Sehnsucht” genannt
Das Wort „Vorbild” ist Christoph Kamps zu eng. „Ich glaube, das ist mittlerweile ein überkommenes Bild, denn das eine, perfekte Vorbild kann es kaum geben.” Vorbilder, wie wir sie aus der Erziehung kennen, wirken moralisch, erhaben, fast unerreichbar. Sie verengen, statt zu öffnen.
Ein Role Model dagegen bildet eine einzelne Rolle ab, von vielen möglichen. Und davon können viele gleichzeitig im Leben einer Person wirken. „Es gibt nicht das eine Vorbild. Das Role Model suchen wir uns selbst aus.” Diese Selbstbestimmung ist der entscheidende Unterschied.
Um das greifbar zu machen, greift Kamps auf Friedrich Nietzsche zurück. „Nietzsche hat über Freundschaft gesagt, dass sie immer ein ‘Speer der Sehnsucht’ sei, also dass Menschen, mit denen man befreundet ist, immer einen Teil abdecken, den man selbst gerne hätte.” Übersetzt auf Role Models bedeutet das: Wo ich mir etwas wünsche, wo ich eine Rolle noch nicht ausfüllen kann, dort suche ich intuitiv nach jemandem, der mir diesen Weg schon gegangen ist. In diesem Sinne, sagt Kamps, seien viele seiner Freunde und auch seine Frau Role Models für ihn. Nicht weil sie perfekt sind, sondern weil sie etwas verkörpern, das er selbst anstrebt.
Diese Perspektive macht Role Models sehr konkret. Kamps nennt als eines seiner eigenen den amerikanischen Künstler und Filmemacher Melvin van Peebles. „Er hat mich sehr geprägt, weil er so wahnsinnig neugierig und mutig war. Es ist ihm gelungen, in unzähligen Disziplinen ein sehr erfolgreiches Leben zu führen, und immer dann, wenn er in einem Bereich erfolgreich war, hat er etwas Neues ausprobiert.” Schauspieler, Maler, Regisseur, Broker, Schriftsteller. Ein Möglichkeitenraum, der scheinbar keine Grenzen kannte.
Was ist ein „Möglichkeitenraum”, und wie öffnen Role Models ihn im Alter?
Wenn das Leben anderer plötzlich wie eine echte Option klingt
Der Begriff „Möglichkeitenraum” stammt aus Kamps’ eigenem Vokabular, und er trifft etwas sehr Präzises. In einer Gesellschaft, in der Alter häufig als Einschränkung definiert wird, als Verlust von Leistungsfähigkeit, Schönheit oder Status, schrumpft der Horizont dessen, was vorstellbar ist. „Alter ist nach wie vor oft ein Makel und wird als eher negativer Aspekt des Lebens wahrgenommen, dabei ist es einfach nur eine Zuschreibung.”
Role Models wirken gegen diese Zuschreibung, indem sie zeigen, was möglich ist. Entscheidend dabei ist die Identifikation. „Wenn jemand eine ähnliche Situation teilt, ähnliche Einschränkungen, ein ähnliches Alter oder ähnliche Gegebenheiten, dann glaube ich viel eher, dass ich das ebenfalls erreichen kann. Und das ist dieser Möglichkeitenraum, der sich öffnet.”
Kamps verweist auf einen kulturellen Vergleich, der nachdenklich stimmt. „Bei Konfuzius, im Hinduismus oder in Naturreligionen gibt es ein völlig anderes Bild vom Alter, das sehr positiv besetzt ist.” In Deutschland dagegen gibt es eine Tendenz zur Gerontophobie: Menschen versuchen, eine Jugendlichkeit nachzustellen, der sie im Äußeren längst entwachsen sind. Der soziale Rückzug älterer Menschen wird kaum hinterfragt.
Die Generation der heute 50-plus-Jährigen kann das, davon ist Kamps überzeugt, verändern. Sie ist die erste, die im Wohlstand aufgewachsen ist, körperlich und mental fitter ins Alter geht als alle Generationen vor ihr und die Vorstellung vom Ruhestand als aktivem Lebensabschnitt wirklich lebt. „Die Vorstellung, zum Renteneintritt noch einmal ein neues Leben irgendwo anders anzufangen, war vor 20 oder 30 Jahren wirklich nur wenigen vorbehalten.” Das ändert sich gerade fundamental.

Warum Sie dieses Podcast-Interview hören sollten
Christoph Kamps spricht nicht von oben herab. Er spricht aus der Mitte seines eigenen Lebensumbruchs: über Melvin van Peebles und Nietzsche, über Schloss Selchow und die Frage, warum das Wichtigste im Leben nicht der Ort ist, sondern die Menschen drumherum. Und darüber, wie anstrengend es wirklich ist, soziale Kontakte über Generationen hinweg zu pflegen. Wer sich fragt, was das Leben ab 50 eigentlich noch alles sein kann, findet in diesem Gespräch keine fertigen Antworten. Aber sehr gute Fragen.
FAQ: Role Models und Altersbilder ab 50
Was sind Role Models und warum sind sie im Alter besonders wichtig?
Role Models sind Menschen, die eine bestimmte Rolle im eigenen Leben vorzeichnen: Sie zeigen, was möglich ist, und stärken damit die Selbstwirksamkeit. Im Alter nehmen Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmtheit oft ab, weil positive Bilder aktiver älterer Menschen im öffentlichen und medialen Leben fehlen. Gute Role Models können dieses Defizit ausgleichen.
Was unterscheidet ein Role Model von einem Vorbild?
Ein klassisches Vorbild ist oft moralisch aufgeladen und kaum erreichbar. Ein Role Model bildet dagegen nur eine einzelne Rolle ab, und jeder kann sich aus vielen Role Models genau das heraussuchen, was zur eigenen Lebensphase passt. Role Models sind keine perfekten Figuren, sondern Orientierungspunkte für konkrete Lebensbereiche.
Warum fehlen uns im Alter die richtigen Vorbilder?
Unsere Gesellschaft ist stark auf Jugend und Konsum ausgerichtet. Ältere Menschen spielen in sozialen Medien und im öffentlichen Leben eine untergeordnete Rolle. Gleichzeitig fallen mit neuen Lebensphasen, Renteneintritt, Einsamkeit, körperlichen Veränderungen, alte Orientierungspunkte weg. Die Kombination beider Faktoren führt zu einem echten „Vorstellungsdefizit”.
Was bedeutet der Begriff „Möglichkeitenraum”?
Der „Möglichkeitenraum” beschreibt den Horizont dessen, was ein Mensch für sich als erreichbar und vorstellbar hält. Role Models, die eine ähnliche Lebenssituation teilen, öffnen diesen Raum: Sie zeigen, dass Entwicklung, Neugier und Selbstbestimmung nicht an ein bestimmtes Alter gebunden sind.
Was ist Schloss Selchow und was hat es mit generationenübergreifendem Leben zu tun?
Schloss Selchow ist ein Retreat an der Großschauener Seenkette im Berliner Umland, gegründet von Christoph Kamps und seiner Frau. Es bietet Raum für Familientreffen, Seminare und generationenübergreifende Begegnungen. Die Idee entstand aus einer sehr persönlichen Frage: Wo können Menschen verschiedener Generationen und Herkunft wirklich zusammenkommen?
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Transkript: LIVVING Podcast Interview mit Christoph Kamps
Claudia Mattheis: Herzlich willkommen in meinem LIVVING.de Podcast Studio, lieber Christoph Kamps. Warum ich dich eingeladen habe? Weil mich eine Frage aus einem Vortrag von dir sofort gepackt hat: Warum brauchen wir eigentlich in jeder Lebensphase Menschen, an denen wir uns orientieren können? Und warum fehlen uns gerade im Alter oft die richtigen Bilder dafür?
Du bist Jahrgang 1970, Politologe und Unternehmer und hast in den vergangenen 25 Jahren acht Unternehmen gegründet, von Marketing über Software bis hin zu Medien und Event-Locations. Mit deiner Agentur KMB warst du früher ein Trendsetter im Influencer-Marketing, und heute verbindest du diese unternehmerische Erfahrung mit wissenschaftlicher Arbeit und gehst der Frage nach, welche Rolle sogenannte Role Models in unserem Leben spielen, unter anderem am Institut für Generationsforschung. Mit deinem Projekt Schloss Selchow hast du zudem einen Ort geschaffen, an dem Austausch und neue Perspektiven zwischen Generationen möglich werden.
Wir sprechen heute darüber, warum Role Models mehr sind als klassische Vorbilder, wie sie Orientierung geben und unsere Möglichkeiten erweitern, und warum wir gerade jenseits der 50 neue, starke Bilder vom Leben brauchen. Hallo, lieber Christoph. Herzlich willkommen.
Christoph Kamps: Hallo, liebe Claudia. Danke für die tolle Einleitung.
Claudia Mattheis: Ja, ich habe mich bemüht. Jetzt gleich die erste Frage: Warum tun wir uns eigentlich so schwer damit, gute Vorbilder fürs Älterwerden zu finden?
Christoph Kamps: Das ist gleich eine Frage, die ins Volle geht. Es gibt zwei wichtige Punkte: Einerseits fehlt uns im Alter vor allem der Zugang zu Role Models, weil wir in unserer kapitalistischen, individualisierten Gesellschaft sehr stark auf Jugend und Konsum ausgerichtet sind. Diese Individualisierung führt außerdem dazu, dass wir im Alter eigentlich nur die Bilder unserer Eltern oder ihrer Generation kennen, weil in den sozialen Medien und im öffentlichen Leben viel zu wenig ältere Personen eine Rolle spielen.
Das ist der eine Grund. Der zweite ist, glaube ich, dass uns selbst eine ganze Reihe von Lebensfäden wegfallen, wenn wir älter werden. In einer neuen Orientierungsphase, zum Beispiel beim Eintritt in die Rente, fallen viele Orientierungspunkte weg, an denen wir bisher Role Models oder Vorbilder hatten, ob es nun Karriere, Status oder bestimmte Rollen waren. Und dann ist es für uns sehr schwierig, neue Vorbilder zu finden, weil sie in unserem medialen und sozialen Leben einfach nicht vorkommen.
Claudia Mattheis: Du sprichst bewusst von Role Models. Was unterscheidet sie für dich von klassischen Vorbildern?
Christoph Kamps: Am Ende ist es zunächst ein englischer Begriff, der stark in der Fachsprache genutzt wird. Aber ich finde, es gibt noch einen anderen wichtigen Aspekt. Wir erinnern uns vielleicht alle an unsere Erziehung, wo das Bild des Vorbilds eine große Rolle spielte: Du sollst ein Vorbild sein, benimm dich vorbildlich. Ich glaube, das ist mittlerweile ein überkommenes Bild, denn das eine, perfekte Vorbild kann es kaum geben. Und oft verbinden wir damit Prominenz, Ausstrahlung oder moralischen Charakter. Das Wort “Vorbild” verengt sehr stark. “Role Model” trifft es dagegen besser, denn wir Menschen nehmen ja ganz verschiedene Rollen ein, und ein Role Model bildet eben eine von vielen dieser Rollen ab.
Es gibt also nicht das eine Vorbild. Das Role Model suchen wir uns selbst aus. Und es können viele Role Models in unserem Leben die einzelnen Rollen vorgeben, die wir gerne einnehmen oder ausfüllen möchten.
Claudia Mattheis: Dann werden wir das doch gleich mal richtig praktisch. Welche Role Models hast du gerade selbst, an denen du dich im Moment orientierst?
Christoph Kamps: Das ist natürlich spannend, denn das kommt immer ganz individuell auf die jeweilige Lebensphase an. Ich selbst befinde mich als Jahrgang 1970 gerade in einem Umbruch. Ich habe die Midlife-Crisis hinter mir, den steilen beruflichen Aufstieg und das Unternehmertum in seiner Wachstumsphase auch. Jemand, der mich bisher stark begleitet hat, ist Melvin van Peebles. Vielleicht ist er nicht jedem bekannt, aber er hat mich sehr geprägt, weil er so wahnsinnig neugierig und mutig war. Es ist ihm gelungen, in unzähligen Disziplinen ein sehr erfolgreiches Leben zu führen, und immer dann, wenn er in einem Bereich erfolgreich war, hat er etwas Neues ausprobiert. Schauspieler, Maler, Regisseur, Broker, Schriftsteller. Ein Mensch, der wirklich viel bewegt hat.
Und ansonsten schafft der Freundschaftsbegriff von Nietzsche, weil wir ja gerade über die vielen Rollen gesprochen haben, einen sehr nahbaren Zugang zu Role Models. Nietzsche hat über Freundschaft gesagt, dass sie immer ein “Speer der Sehnsucht” sei, also dass Menschen, mit denen man befreundet ist, immer einen Teil abdecken, den man selbst gerne hätte. Das bedeutet: Wo ich mir etwas wünsche, suche ich vielleicht auch ein Role Model, das mir dort einen Weg zeigen kann und von dem ich lernen kann. In diesem Sinne sind viele Freunde und auch meine Frau auf jeden Fall Role Models für mich.
Claudia Mattheis: Du hast es schon ein wenig angedeutet, aber warum brauchen wir tatsächlich in unterschiedlichen Lebensphasen überhaupt Role Models zur Orientierung? Warum ist das so wichtig?
Christoph Kamps: Wenn wir Role Models finden, die uns Orientierung geben, was meistens über einen hohen Grad der Identifikation geschieht, dann schafft das vor allem eines: Motivation. Und das ist etwas, das gerade im Alter sehr wichtig ist und sogar noch zunimmt. Jeder kennt den Satz: “Ach, das kann ich nicht mehr.” Den hört man im Alter häufiger. Er klingt wie eine Ausrede, aber dahinter steckt tatsächlich ein psychologischer Effekt, der einsetzt: das Thema Selbstwirksamkeit und Selbstbestimmtheit. Wir stellen fest, dass Selbstwirksamkeit im Alter abnimmt, weil wir für viele Dinge kein Bild mehr haben, wie wir etwas erreichen sollen. Es gibt natürlich körperliche und psychische Einschränkungen, die das Alter mit sich bringt. Aber das bedeutet absolut nicht, dass wir Dinge nicht mehr tun können. Oft fehlt uns einfach die Motivation, dieser Glaube an uns selbst, den man heute Selbstwirksamkeit nennt.
Claudia Mattheis: Du nennst Role Models auch “mentale Landkarten”. Was bedeutet das konkret?
Christoph Kamps: Das greift vielleicht schon etwas vor: Wo finde ich meinen Weg? Wie finde ich mich in einer neuen Lebenssituation zurecht, in einer Situation, die vielleicht von außen an mich herangetragen wird und nicht aus dem Inneren kommt? Das kann zum Beispiel im hohen Alter die Singularisierung sein: Der Partner stirbt, ich bin plötzlich allein, vielleicht sterben auch Freunde. Das kann der Renteneintritt sein. Und das gibt es natürlich auch in jungen Jahren, bei der Midlife-Crisis Anfang 40 oder 50, oder das Thema Menopause, das für alle Frauen wahnsinnig relevant ist. An diesen Punkten werden Dinge von außen an uns herangetragen, und dann fehlt uns oft die Orientierung, wie wir damit umgehen sollen.
Als Kinder orientieren wir uns im sozialen Lernen an unseren Eltern. Das sind die Vorbilder, die wir sehen, und da sind es wirklich noch Vorbilder im klassischen Sinne. Und dieses soziale Lernen verändert sich unser ganzes Leben lang nicht. Wenn wir keine mentalen Landkarten haben, also keine Orientierung in Fragen von Werten und allen möglichen Lebensbereichen, dann fehlt uns etwas Entscheidendes. Diese mentalen Landkarten sollen uns helfen, uns sicher zu bewegen und unseren eigenen Kosmos zu gestalten.
Claudia Mattheis: Dafür muss man ja andere Menschen und deren Lebensentwürfe irgendwie sehen können. Du kommst auch aus dem Influencer-Marketing: Macht Social Media das einfacher, oder macht es das sogar schwieriger?
Christoph Kamps: Ich bin da ehrlich gesagt auch sehr selbstkritisch gegenüber unserem Bereich. Social Media ist natürlich nicht das Allheilmittel für alles, aber es schafft eine Sichtbarkeit von viel mehr Menschen über viel mehr Kanäle, als das früher möglich war. Nun haben wir allerdings auch Algorithmen, und die spielen oft das nach oben, was von einer breiten Masse gesehen wird, ohne dass es stark individualisiert wird. Das hängt natürlich vom Kanal ab. Es gibt Kanäle, die stärker individualisieren, gerade die Meta-Kanäle sind sehr stark individualisiert und auf Wiederkehr ausgelegt. Aber ich glaube, dass Social Media durchaus ein Weg sein kann, die Sichtbarkeit von Role Models zu erhöhen.
Claudia Mattheis: Kennst du Beispiele, die für dich besonders positiv sind und ein positives Altersbild vermitteln?
Christoph Kamps: Ja, da gibt es natürlich unzählige. Und ich finde es wichtig zu betonen, dass Role Models immer nur für einen persönlich bedeutsam sind. Man kann nicht eine Person oder ein Role Model für alle nach vorne stellen. Dann wären wir wieder beim Thema Vorbilder im klassischen Sinne, und das halte ich für falsch. Jeder muss seine eigenen Role Models finden. Darum fällt es mir natürlich auch immer schwer, von außen zu sagen, da müsst ihr alle hingucken.
Was ich aber sehr toll finde und was auch wahnsinnig erfolgreich ist, ist das “Retirement Home”, also eine amerikanische WG von gut situierten älteren Menschen, die trotzdem unglaublichen Spaß und eine unglaubliche Neugier haben, viel miteinander reisen und ganz einfach Memes und Social-Media-Trends aufgreifen. Sie zeigen, dass es im Alter keine Grenze gibt, solche Dinge zu tun. Das gefällt mir wirklich gut, weil es vielen Menschen Mut macht und zeigt, was wir schon unter dem Stichwort Selbstwirksamkeit besprochen haben: Man kann und man darf. Ich finde es ganz wichtig, diesen Glauben bei Menschen auch nach ihrem Karriereende oder ihrer Rente zu stärken, dass sie Dinge erreichen können.
Claudia Mattheis: Das ist ein Instagram-Kanal, den du gerade erwähnt hast? Dann setze ich gerne den Link in die Show Notes, denn das klingt wirklich spannend. So etwas Vergleichbares kenne ich im deutschsprachigen Raum gar nicht. Ich glaube, das würde extrem vielen Menschen Mut machen, wenn sie einfach sehen würden, welche unterschiedlichen Lebens- und Wohnkonzepte es gibt. Wir bei LIVVING.de versuchen das ja auch schon, auf eine mutmachende Art und Weise zu zeigen, was es überhaupt für Möglichkeiten gibt. Das wäre für mich auch die Überleitung zur nächsten Frage, denn du hast im Vorgespräch den Begriff “Möglichkeitenraum” benutzt, den ich bisher gar nicht kannte. Du sprichst davon, dass Role Models unseren Möglichkeitenraum erweitern. Was genau meinst du damit?
Christoph Kamps: Genau. Das Thema Selbstbestimmtheit ist in unserer Gesellschaft unglaublich wichtig, nimmt aber, genauso wie das Thema Selbstwirksamkeit, im Alter stark ab. Und ich finde, es ist wichtig zu zeigen, welche Möglichkeiten man trotz einer vielleicht veränderten Situation noch hat. Also: Ich bin körperlich nicht mehr so leistungsfähig, ich lerne vielleicht anders, ich sehe anders aus. Trotzdem lässt sich Menschen zeigen, dass sie sehr selbstbestimmt und so, wie sie es sich wünschen, leben können. Und das gelingt natürlich durch viele Role Models, die wir medial zeigen und in die Gesellschaft heben. Denn Alter ist nach wie vor oft ein Makel und wird als eher negativer Aspekt des Lebens wahrgenommen, dabei ist es einfach nur eine Zuschreibung.
Ich glaube, dass ein Möglichkeitenraum entsteht, wenn viele Role Models für uns präsent sind, aus denen wir uns quasi etwas heraussuchen und sagen können: Wow, das finde ich positiv für mich. Ich glaube daran, dass ich das auch erreichen kann, weil mir diese Person so nahe ist. Das Entscheidende ist: Wenn jemand eine ähnliche Situation teilt, ähnliche Einschränkungen, ein ähnliches Alter oder ähnliche Gegebenheiten, dann glaube ich viel eher, dass ich das ebenfalls erreichen kann. Und das ist dieser Möglichkeitenraum, der sich öffnet. Dafür sind Role Models so unglaublich wichtig.
Claudia Mattheis: Was ich mich frage: Warum ist dieses Thema “Altersbilder” gerade so extrem präsent? Vielleicht ist das auch einfach meine selektive Wahrnehmung, weil ich mich selbst so intensiv damit beschäftige. Wenn ich mich mit meinen Eltern unterhalte, die über 80 sind, war das für sie nie ein Thema. Man war einfach alt. Und auch in den Medien der Zeit meiner Großeltern wurde man öffentlich stigmatisiert. Ich erinnere mich noch an Titelzeilen wie “Frau über 40 und sieht immer noch gut aus”. Warum ist unsere Generation da so anders unterwegs? Warum sind wir so kritisch?
Christoph Kamps: Ich glaube, es gibt drei Aspekte. Der erste: Wenn wir uns intensiv mit einem Thema beschäftigen, tritt es uns viel näher, das ist ganz natürlich. Und damit sind wir vielleicht schon beim zweiten Punkt: Wir sind eine alternde Gesellschaft. Wir werden spätestens in 20 Jahren erleben, dass mehr Menschen in Deutschland über 50 sind als darunter. Das zeigt, wie alt diese Gesellschaft schon ist. Und dann kommt der dritte Punkt, der auch wieder stark auf das Thema Role Models einzahlt: Wir sind eine Gesellschaft, die sehr stark von Jugend geprägt ist. Das liegt natürlich auch, ich möchte hier keine grundsätzliche Kapitalismuskritik äußern, an einer Wirtschaft, die versucht, über Medien positive Werbebilder zu platzieren und dabei immer noch glaubt, dass Jugendlichkeit das erstrebenswerte Bild ist. Das hat unsere Gesellschaft lange bestimmt.
In anderen Gesellschaften ist das ganz anders. Bei Konfuzius, im Hinduismus oder in Naturreligionen gibt es ein völlig anderes Bild vom Alter, das sehr positiv besetzt ist. Bei uns hingegen gibt es eher Bilder, die in Richtung Gerontophobie gehen. Wir erinnern uns an Diskussionen über Schönheitsoperationen, bei denen Menschen versuchen, eine Jugendlichkeit nachzustellen, der sie im Äußeren entwachsen sind, oder an den sozialen Rückzug älterer Menschen. Und darauf gibt es aktuell noch so wenig Antworten, weil unsere soziale Umgebung Alter so stark ausschließt.
Claudia Mattheis: Glaubst du, dass die Generation der heute 50-plus-Jährigen etwas anderes will als die Elterngeneration? Dass sie mehr oder andere Dinge von ihrem Leben zwischen 50 und 100 erwartet?
Christoph Kamps: Davon gehe ich ganz stark aus. Einerseits natürlich durch die medizinische Weiterentwicklung: Es geht ja nicht nur darum, dass wir immer älter werden, sondern dass wir im Alter immer fitter sind. Das sieht man zum Beispiel an der wachsenden Zahl von Menschen, die zur Rente noch einmal auswandern. Die Vorstellung, zum Renteneintritt noch einmal ein neues Leben irgendwo anders anzufangen, war vor 20 oder 30 Jahren wirklich nur wenigen vorbehalten, weil sie es wirtschaftlich, körperlich und mental leisten konnten. Das ändert sich heute deutlich, sowohl was die finanziellen als auch die körperlichen und mentalen Möglichkeiten angeht.
Und dann sind wir natürlich auch die Generation, die im Wohlstand aufgewachsen ist, in einer positiven Umgebung, und als Vorbilder schon Menschen hatte, denen es gut ging. Unsere Elterngeneration hingegen, die Nachkriegsgeneration, hatte andere Bilder vom Altern vor Augen und hat deshalb vielleicht auch gar nicht die Bedürfnisse entwickelt, die wir heute entwickeln.
Claudia Mattheis: Spannendes Thema. Aber ich möchte jetzt kurz zu dir persönlich schwenken. Du hast ja dein Leben noch einmal verändert und bist jetzt Schlossherr. Lass uns über Schloss Selchow sprechen. Was ist das genau für ein Ort?
Christoph Kamps: Schlossherr, ich bin wohl eher Facility Manager oder Hausmeister. Aber was für uns damals wahnsinnig spannend war, war eine ganz eigene Erfahrung: das Thema Familienzusammenführung. Unsere Frage war: Wo bringen wir eigentlich unsere ostdeutsche und unsere tiefwestdeutsche Familie zusammen, 20 Leute an einen Tisch? Das ist gar nicht so einfach. Wir haben zwar eine große Wohnung, aber die Vorstellung, dass diverse Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen mehrere Tage lang in unserer 120-Quadratmeter-Wohnung in Berlin-Mitte verbringen, fühlte sich einfach falsch an. Und dann haben wir uns gedacht: Das kann doch nicht nur uns so gehen. Das erleben bestimmt viele Menschen.
Also haben wir recherchiert. Berlin ist ja ein interessanter Ausgangspunkt, was das Umland angeht. Natürlich haben viele nach der Wiedervereinigung entdeckt, wie schön die Umgebung ist, ähnlich wie bei anderen Metropolen. Aber wir haben festgestellt, dass es kaum Orte gibt, wo man wirklich generationsübergreifendes Zusammenkommen leben kann. Ferienhäuser sind oft zu klein, Hotels wieder zu groß oder zu teuer. Da kam uns die Idee: Lass uns einen Ort schaffen, wo Menschen stilvoll zusammenkommen können, generationsübergreifend, und sich austauschen können.
Das ist uns mit Schloss Selchow gelungen, eine Stunde von Berlin entfernt. Neben Seminaren und Strategietreffen von Startups und Unternehmen sind unsere häufigsten Gäste Familien, die sich zu Familientreffen, runden Geburtstagen, zu Weihnachten oder Ostern zusammenfinden. Das zeigt uns, dass es einen echten Mangel an solchen Orten gibt. Und, Claudia, das ist vielleicht auch noch interessant: Früher hat man darüber gar nicht nachgedacht. Da traf man sich bei Eltern oder Großeltern, das war selbstverständlich. Auch das hat sich natürlich gewandelt.
Wir sind jetzt in einer Generation, in der immer mehr Menschen solche Zusammenkünfte selbst in die Hand nehmen wollen und die Familienzusammenführung nicht automatisch bei der ältesten Generation zu Hause stattfindet.
Claudia Mattheis: Ich finde das so spannend, wie du das erzählst, weil es genau das trifft, was ich in meiner eigenen Familie erlebt habe. Ich bin Einzelkind, habe aber einen Mann geheiratet, der sehr viele Geschwister hat. Solange seine Mutter in München noch lebte, traf man sich immer dort, mindestens einmal im Jahr, manchmal auch zweimal. Als sie vor ein paar Jahren verstorben ist, stellte sich plötzlich die Frage: Wo treffen wir uns jetzt? Die ganze Familie ist über ganz Deutschland verteilt, teilweise auch im Ausland.
Da haben wir eine schöne Tradition eingeführt: Alle ein bis zwei Jahre treffen wir uns im kleinen Kreis, auch wenn es dabei immer mindestens 30 Leute sind, mittlerweile Eltern, Kinder, Enkelkinder, an wechselnden Orten. Wir mieten dann ein großes Haus oder zwei Häuser nebeneinander und verbringen ein Wochenende oder mehrere Tage miteinander. Und dabei habe ich gemerkt, wie schwierig es ist, einen passenden Ort zu finden, und gleichzeitig, wie wichtig diese Zusammenkünfte sind. Nicht nur einmal im Jahr kurz zum Kaffeetrinken, sondern wirklich die Zeit und die Ruhe haben, an einem schönen Ort ganze Tage miteinander zu verbringen.
Deswegen finde ich großartig, was ihr macht. Ich werde das beim nächsten Familienrat definitiv vorschlagen, ob Schloss Selchow eine Option sein könnte. Aber beschreib doch mal euer Schloss genauer. Wo genau liegt es, du hast “bei Berlin” gesagt. Wie sieht es aus?
Christoph Kamps: Genau, wir liegen an der Großschauener Seenkette. Bad Saarow ist wohl einer der bekanntesten und edleren Orte im Berliner Umland, und wir sind in der Nähe davon, an einem großen Naturschutzgebiet. Unsere Idee war es, einen Ort zu schaffen, der sowohl eine lange Tafel hat, an der alle gemeinsam sitzen können, als auch viele einzelne Bereiche, in die man sich zurückziehen kann. Und das ist in einem Schloss natürlich wunderbar möglich. Früher gab es da den Herren- und den Damensalon. Das ist heute dann die Bibliothek, das Kaminzimmer, Sauna, Kino. So haben wir eine Vielzahl an Räumen, sodass man sich, selbst wenn man zu zwanzigst ist, wirklich zurückziehen kann und trotzdem in kleineren Gruppen auch ein bisschen aus dem Weg gehen kann. Denn wir kennen das alle: Spätestens nach einem Tag fängt die Familie an zu stinken, wenn man zu eng aufeinander sitzt. Und dann ist es schön, wenn alle Bereiche haben, in die sie ausweichen können. Man kann in den Park gehen, wunderschöne Spaziergänge machen, schwimmen gehen oder in unsere Sauna und den Spa. Man kann zusammen kochen. All das ist möglich. Das war auch so ein bisschen die Idee dahinter.
Claudia Mattheis: Wenn ihr das Schloss gerade nicht an große Familien oder Unternehmen für Meetings vermietet, bleibt es dann ungenutzt, oder wohnt ihr selbst auch dort?
Christoph Kamps: Wir wohnen sowohl in Berlin als auch in Storkow, also auf Schloss Selchow selbst, und haben dort eigene Bereiche, die wir nutzen. Darum ist es immer so amüsant: Am Ende lebt man auf zwei Zimmern und kümmert sich hauptsächlich um den Unterhalt. Aber es ist auf jeden Fall ein Lebensmittelpunkt für mich und meine Familie.
Claudia Mattheis: Jetzt habe ich noch eine Frage dazu: Wie willst du selbst in Zukunft leben und wohnen? Wenn ich das so höre, klingt das ja schon ziemlich traumhaft. Ist das bereits nah an deiner Wunschvorstellung dran, oder sind noch andere Projekte geplant?
Christoph Kamps: Natürlich ist es schön, eine schöne Umgebung zu haben, in der man wohnt. Aber das Wichtigste sind für mich immer die sozialen Kontakte und das soziale Umfeld. Das ist für mich das Entscheidende. Jetzt haben wir dort draußen ein Dorf, und da gibt es einige Menschen, die uns sehr schnell sehr nah geworden sind, fast wie Familie, was wunderbar ist. Und dann gibt es hier in Berlin die Stadt, mit vielen Menschen, die wahnsinnig inspirierend sind und mit denen man sich austauscht.
Solange es möglich ist, ist mein größter Wunsch, an verschiedenen Orten Lebensmittelpunkte zu haben: einerseits in der Natur und mit der Natur zu leben, was ich als einen der größten Gewinne meines jüngeren Lebens empfinde. Es ist wunderbar, mit den Jahreszeiten zu interagieren. Und andererseits trotzdem die Inspiration an anderen Orten zu haben, Menschen zu treffen, die jünger sind, die inspirierend sind, die Dinge tun, die einem Mut geben, es ähnlich zu machen.
Deshalb glaube ich, ist das soziale Umfeld so wahnsinnig wichtig. Mein größtes Augenmerk liegt gar nicht so sehr am Ort selbst, sondern an der Frage: Wie kann ich junge Menschen an mich binden und immer wieder neu für Austausch und Inspiration gewinnen?
Claudia Mattheis: Dazu habe ich jetzt doch noch eine Frage, denn daran scheitern ja viele ältere Menschen. Keiner will im Alter alleine sein, Einsamkeit ist ja das allergrößte Problem für viele. Aber man muss ja auch aktiv etwas dafür tun, um in Kontakt zu bleiben.
Christoph Kamps: Oh, das ist wahnsinnig anstrengend. Wie alle Freundschaften anstrengend sind, nur dass hier noch eine bewusste Haltung dazukommt. Man muss sich auf Menschen einlassen, die an vielen Stellen aufgrund ihrer geringeren Lebenserfahrung für einen auch eine Herausforderung darstellen. Es ist ja nicht so, dass jeder junge Mensch allein deshalb, weil er jung ist, ein positiv bereichernder Mensch ist. Oft befinden sich Menschen in Lebenssituationen, die man selbst schon hinter sich hat. Und dafür muss man einfach Offenheit und Verständnis mitbringen und damit umgehen können. Wenn man das tut, stellt man fest, dass es möglich ist.
Ich finde übrigens immer tolle Role Models um mich herum: Menschen, die noch älter sind als ich, aber mit sehr vielen jungen Menschen in Austausch und Umgang stehen. Das finde ich wahnsinnig toll und erstrebenswert.
Claudia Mattheis: Das war ein wunderbares Schlusswort. Ich würde mir das auch für unsere gesamte Gesellschaft wünschen: ein bisschen mehr aufeinander zugehen, einfach auch zuhören und nicht gleich urteilen. Lieber Christoph, herzlichen Dank für dieses wunderbare Gespräch. Der Link zu Schloss Selchow kommt natürlich in die Show Notes, damit man euch auch buchen kann. Vielen Dank.
Christoph Kamps: Claudia, danke.
Claudia Mattheis

Claudia Mattheis (Jahrgang 1966) bringt mit 30 Jahren Führungserfahrung als Geschäftsführerin einer Werbeagentur und Chefredakteurin von Print- und Online-Medien strategische Expertise und ein starkes Netzwerk mit. Diese Kombination bildet das Fundament für ihre Mission: LIVVING.de zur führenden deutschsprachigen Plattform für Wohnen & Leben 50plus zu entwickeln. Ihre Leidenschaft für zielgruppengerechte Kommunikation verbindet sie mit einem tiefen Verständnis für die Bedürfnisse der Generation 50plus. Als versierte Netzwerkerin schafft sie Verbindungen zwischen Partnern, die gemeinsam die Lebenswelt einer wachsenden demografischen Gruppe neu denken wollen. Mit ihrem Mann Siegbert Mattheis lebt sie in Berlin-Prenzlauer Berg.











